Kapitel 4

Zeitquälerei

Die Nummer auf dem Display kannte ich schon mal nicht. Auch die Stimme am anderen Ende der Leitung hatte ich noch nie zuvor gehört. Scheinbar war der Anrufer ein Mann mittleren Alters. Ich kam gar nicht zu Wort, denn er sprudelte sofort los.
„Gerda, weil Gabe noch nicht hier ist, nehme ich stark an, dass du schon davon gehört hast. Es tut mir leid! Ich hätte es dir eher erzählt, aber es war so viel los und außerdem… Gerda?“, zum ersten Mal seit er begonnen hatte zu sprechen, holte der Mann Luft und machte eine Pause.
Ich war etwas skeptisch, denn mein Bauch sagte mir, dass der Typ auch mit dazu gehörte. In meinem Kopf flackerte für eine Sekunde die Idee auf, mich als meine Oma auszugeben, aber ich wusste genau, dass das niemals funktionieren würde. Also nannte ich einfach meinen richtigen Namen: „Nein, Gerda ist meine Oma. Mein Name ist Alex. Wer spricht da?“
„Alex?!“, für einen Moment klang der Mann heiser, doch nur für einen winzigen Augenblick, „Ich habe schon viel von dir gehört. Freut mich, dich am Telefon zu haben, aber könntest du Gerda bitte ausrichten, dass ich angerufen habe?“ Er hatte schon von mir gehört? Was sollte das denn bedeuten?
Ich zögerte kurz: „Klar, wenn sie mir verraten wie sie heißen.“ Am anderen Ende der Leitung war ein leises hüsteln zu vernehmen. „Was bitte?“, fragte ich, doch da ertönte auch schon der Gespräch-Beendet-Ton. Gereizt schmiss ich das Telefon auf das Sofa. Was war heute nur los? Wollten mich alle veralbern? Nach dem Motto: Wir wissen Bescheid und du nicht?!

Kapitel 3

Zeitquälerei

Auf der Autofahrt sprach keiner mehr ein Wort. Ich hatte vorne neben Gabe Platz genommen und musterte Krissy durch den Rückspiegel sehr genau. Zumindest anfangs, denn außer zu lächeln, tat sie auf der gesamten Fahrt rein gar nichts.
Einerseits war diese Tatsache irgendwie gruselig und andererseits hatte ich viel besseres zu tun, als mich über die Grimassen anderer aufzuregen. Ich sollte lieber darüber nachdenken, wie all das zusammenpasste.
Das wiederum war leichter gesagt, als getan, denn ich sah nirgends einen Zusammenhang. Irgendwo musste es doch aber einen geben, sonst wüsste Krissy nichts mit Simikolon anzufangen oder sie würde dort einfach gar nicht erst hingebracht werden!
Je länger ich darüber nachdachte, desto merkwürdiger kam mir die Situation vor. Ich meine, wie wahrscheinlich war es bitte, dass ausgerechnet Krissy, die Freundin der Schwester eines Mitgliedes, ausgewählt wurde, um…
In diesem Moment fiel es mir auf. Um was eigentlich? Ging es hier um diese komische Zeitreisegeschichte oder irgendetwas anderes, von dem ich noch weniger Ahnung hatte? Wie viel wusste ich überhaupt? Anders gefragt: Wie viel wurde mir verschwiegen? Wofür war die ganze Organisation denn eigentlich da? War es so eine Art Spionageteam oder vielleicht der Treffpunkt von hochbegabten Mathematikern und Technikgenies, die an einem Weltverbesserungsplan tüftelten?
Noch ehe ich meinen Gedanken beenden konnte, kamen wir bei mir zuhause an. Gabe bat Krissy kurz im Auto zu warten, während er mich zur Tür brächte, um Oma zu begrüßen. Keiner von uns beiden machte sich die Mühe, die andere zu verabschieden. Ich stieg aus und sie blieb sitzen. Alles andere hätte mich auch gewundert.

Kapitel 2

Zeitquälerei

Unmittelbar nach dem erneuten Pausenklingeln, welches für mich konkret Schulschluss bedeutete, wollte ich nichts weiter als hier verschwinden. Ich hasste unangekündigte Tests! Sie kamen immer genau an den Tagen, an denen man es überhaupt nicht gebrauchen konnte und heute war ganz eindeutig so ein Tag.
Dazu kam, dass ich normalerweise vor jeder Mathematikstunde noch einmal wiederholte, was wir in den letzten Stunden gemacht hatten, denn würde ich das nicht tun, würde ich nur noch weniger verstehen, als ich es ohnehin schon tat. Natürlich hatte ich das genau heute mal weggelassen und stattdessen die Pausen damit zugebracht, mich über das miese Wetter zu beklagen.
Als wir dann nach der Hofpause unseren Klassenraum betraten, lagen auf den Bänken bereits die Aufgabenblätter, ganz so, als hätte unser Mathelehrer gewusst, dass genau heute der schlechteste Zeitpunkt überhaupt war, einen Test einzuschieben. Generell schienen die meisten Lehrer für solche Dinge ein außerordentliches Talent zu haben!

Kapitel 1

Zeitquälerei

Ich stand schlotternd auf dem Schulhof und hoffte inständig auf das Klingeln, das mich vor einer fiesen Sommererkältung bewahren würde. Neben mir stand Krissy, eingehüllt in eine dickere Strickjacke. Diese passte natürlich perfekt zu dem Rest ihres Outfits, das sie obendrein vor dem kalten Wind schützte, der uns umfing.
In meinem kurzärmligen Oberteil versuchte ich angestrengt nicht zu zittern. Auch meine Hose war für diesen Tag alles andere als praktisch gewählt. An beiden Knien zierten sie große Löcher, durch die der Wind meine Beine hinaufkroch. Normalerweise war ich gar nicht so eine Frostbeule, doch es schien, als wolle mich das Wetter heute eines Besseren belehren…
„Ich hab dir doch gesagt, dass du in diesem Aufzug frieren wirst, Alex.“, meinte Krissy vorwurfsvoll. Gerade so konnte ich mir ein entnervtes Stöhnen verkneifen und rollte zu meiner eigenen Überraschung noch nicht mal mit den Augen.
Vermutlich waren sie mir einfach im Kopf festgefroren! Ich antwortete mit etwas zittriger Stimme: „Ja, Mama!“ Mein Grinsen konnte ich daraufhin aber nicht verstecken. Sie allerdings gab nur ein verächtliches Schnauben von sich und drehte sich weg.
Krissy als meine Freundin zu bezeichnen, fiel mir etwas schwer. Aber sie war es wohl – irgendwie. Anderen Zuneigung oder ähnliches zu zeigen, war nicht so ihr Ding, solange sie kein spezifisches Anliegen hatte.
Das war einer der Gründe dafür, dass sie nur mich hatte, was zugegebenermaßen auf Gegenseitigkeit beruhte.
Wir beide waren die Außenseiter in der gesamten Schule. Sie, weil alle (mich eingeschlossen) neidisch auf ihre Fähigkeiten waren: Egal womit Krissy begann – eine neue Sportart, Malen, Schauspielern oder das einfache Auswendiglernen von 12 Seiten langweiligster Physik – nach spätestens einer Woche beherrschte sie alles perfekt. So, als hätte sie noch nie etwas anderes getan. Die Dinge, die sie schon konnte, litten nicht unter dem neuen Talent.

Wie es weiter geht…

Gajona, Information, Klappentext

Zunächst muss ich mich dafür entschuldigen, dass so lange nichts mehr online kam. Ich bin mir leider nicht ganz sicher, mit welcher Geschichte ich hier weiter machen soll, aber ich werde hoffentlich sehr bald eine Entscheidung getroffen haben und dann wieder regelmäßig Kapitel hochladen.

Im Anhang findet ihr den Klappentext zu einer meiner Geschichten, an der ich zurzeit vorrangig arbeite. Der Titel lautet Gajona. Diese Geschichte möchte ich nach Fertigstellung an einen Verlag schicken. Deswegen würde ich mich über ein paar Meinungen in den Kommentaren sehr freuen.

24. Dezember

24. Türchen, Weihnachtskalender

Nur ein paar Tage später standen die Zwillinge tatsächlich in dem gewaltigen Ballsaal. Der jährliche Abschlussball ihrer Schule war nichts dagegen! Schon allein, weil die Aula im Vergleich zu dem hier wirkte, wie eine Rosine, herausgepickt aus einem Stollen, zu einem großen, saftigen Bratapfel.
Auch die Leute hier waren anders – in vielen Hinsichten! Zum Beispiel trugen die Frauen und Mädchen Kleider mit ausladenden Röcken. Die Männer waren in teilweise wirklich seltsame „Anzüge“ gestiegen. Zu einigen davon gehörte eine dieser Pinguinjacken. Diese schwarzen, vorne kurz, hinten lang. Sowas kannten die Brüder bis dahin nur aus alten Filmen. Da wurde sowas immer von den vornehmen, weiß behandschuhten Butlern getragen.

23. Dezember

23. Türchen, Weihnachtskalender

Das Erste, was Will spürte, waren die pochenden Kopfschmerzen, das Zweite, der weiche Untergrund, auf dem er lag. Er schlug die Augen auf und sah sich um. Er war nicht mehr im Wald! Das hier erinnerte ihn eher an seine und Jacks Wohnung. Das lederne Sofa auf dem er lag, der kleine Tisch davor, die Fenster mit Sicht auf die reich geschmückten Fenster der Häuser auf der anderen Straßenseite – generell – die Autos und Laternen…