9. Dezember

9. Türchen, Weihnachtskalender

Die beiden Prinzen und Jack sahen sich gegenseitig ängstlich an. Will hingegen dachte nach: „Rösten? Das würde bedeuten, Ihr seid… oh!“ „Wir sind vermutlich kurz davor zu sterben und mein Brüderchen denkt über die Wortwahl der bösen Fee nach!“, jammerte Jack verzweifelt. Will schüttelte heftig den Kopf und stand auf. Die schwarz gekleidete Frau beobachtete ihn genau. „Ihr sagtet nicht, dass Ihr uns töten wollt, sondern rösten! Demzufolge seid ihr ein Drache!“, sagte Will selbstbewusst. Jack sprang ebenfalls auf die Beine: „DU meinst, wie in diesem Film?“ „In was?“, fragten die Prinzen gleichzeitig. Die Brüder winkten ab.

„Es heißt, niemand würde jemals zurückkehren, weil Ihr ihn verfluchen würdet, aber in Wirklichkeit werden sie verbrannt!“, meinte Will. Prinz Phillipp schluckte: „Nun ist die Frage, was grausamer ist!“ Der intelligente Zwilling ignorierte diesen Einwurf. „Ihr seid anscheinend nicht besonders vorsichtig, was Eure Wortwahl angeht, weil Ihr ja eh davon ausgeht, dass diejenigen, die vor Euch stehen, sterben werden! Wenn man sich mit dieser Erkenntnis nochmal daran erinnert, was Ihr noch alles gesagt habt, dann komme ich zu dem Schluss…“ „Aufhören! Ich mag keine neunmalklugen Möchtegerne!“, unterbrach ihn die böse Fee. Sie pochte mit ihrem Stab dreimal auf den Boden und plötzlich schimmerten ihre Augen blutrot. Sie begann zu wachsen und wurde von einem riesigen, schwarzen nichts verschluckt.
Will packte Jack an den Schultern: „Sie hat vorhin die Stiefel von Prinz Phillipp bewundert! Erst habe ich es nicht ernst genommen und dachte, sie würde sich darüber lustig machen, weil sie uns belauscht hat, aber nach dem, was ich jetzt…“ „Sie steht also auch auf Schuhe?“, redete Jack ihm ins Wort. Will nickte: „Vermutlich!“ Die Blicke der beiden wanderten zu den beiden Prinzen. Prinz Franz hatte sich auch erhoben und verfolgte ehrfürchtig die Verwandlung der bösen Fee, während Prinz Phillipp noch immer auf dem Boden hockte und ängstlich vor sich hin wimmerte.
„Ich glaub echt nicht, dass ich das gleich tue!“, stöhnte Jack, packte dann den linken Stiefel des verängstigten Prinzen und zog ihn ihm vom Fuß. Der sah ihn empört an und erwiderte etwas, doch was er genau sagte, war nicht zu hören. Hinter den Zwillingen ertönte ein furchterregendes Brüllen. Sie drehten sich um. Da war er also! Ein Drache! Damit hatte Will also recht gehabt!
Mindestens fünfzehn Meter musste man in die Höhe starren, um dem Drachen in die giftgrünen Augen sehen zu können. Die Schuppen waren schwarz. Riesige, spitze Zähne ragten aus dem Maul des Ungeheuers. Dieses öffnete der Drache nur eine Sekunde später. Will erahnte einen rötlichen Schimmer. „Jetzt!“, schrie er. Jack streckte den Stiefel so weit in Richtung Drachenkopf, wie er nur konnte. Augenblicklich schoss sich das Maul wieder, der Drache setzte sich auf die Hinterbeine und hechelte mit herausgestreckter Zunge, wie ein verspieltes, kleines Hündchen. Jack vergewisserte sich mit einem Blick bei seinem Bruder, bevor er den Stiefel so weit warf, wie es ihm nur möglich war. Der Drache flog aufgeregt hinterher.
„Los, wir müssen den Prinzen so schnell es geht in das Schloss schaffen!“, rief Will und er und Prinz Franz zogen den anderen auf die Beine. „Will, wir haben ein Problem! Sie kommt schon wieder zurück! Ich kann nicht so weit werfen!“, meinte Jack und zeigte auf den sich nähernden Drachen. Die rettende Idee hatte Prinz Franz: „Ihr erzähltet mir vom Fußball! Seht ihr die Riesenpilze dort zwischen den Bäumen? Das sind Springpilze! Wenn Ihr einen davon trefft, ist sie eine Weile lang abgelenkt!“ Bevor Jack antworten konnte, war die böse Fee in ihrer Monstergestalt schon wieder zurück. Sie ließ einen zerkauten Lederfetzen voller Sabber vor den vieren auf den Boden fallen. „Das fasse ich nicht an!“, erklärte Jack. Kurzerhand zog Will Prinz Phillipp den zweiten Schuh vom Fuß und reichte ihn seinem Bruder. „Stell dir vor, du schießt einen Elfer!“, sagte er dabei.
Jack sah ihn verwundert an: „Warte, du weißt was das ist? Ich dachte, du hasst Fußball!“ „Könnten wir das später klären?“, fragte Will und schielte zum Drachen hinüber. „Oh, natürlich!“ Jack zog die Aufmerksamkeit der bösen Fee mit dem zweiten Stiefel wieder auf sich. Dann drehte er sich zu der Stelle um, wo die Springpilze wuchsen. Er atmete einmal tief durch, zielte und schoss!
Der Stiefel sauste durch die Luft. Gespannt verfolgten die Zwillinge und Prinz Franz wie der Drache aufgeregt hinterher flog. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis das Stück Leder wirklich auf einem der Pilze landete. Von diesem wurde der Stiefel erneut mehrere Meter in die Luft geschleudert und landete schließlich auf einem zweiten Springpilz, der ein Stückchen von ersten entfernt wuchs. „Der Stiefel wird durch den halben Wald transportiert, wenn die böse Fee ihn nicht vorher fängt!“, erklärte der Prinz.
Erleichtert drehten sich die drei zu Prinz Phillipp um. Er saß wieder auf dem Boden und beweinte verzweifelt die Überreste seines linken Schuhs. „Steht auf und macht gefälligst, dass ihr Dornröschen küsst!“, befahl Prinz Franz in herrischem Tonfall. Der andere Prinz sah zu ihm auf: „Kommt Ihr nicht mit?“ Die Zwillinge schüttelten schnell die Köpfe. Sie waren froh, diesen königlichen Angsthasen endlich los zu werden und auch Prinz Franz lehnte ab.

Prinz Phillipp hatte versprochen, die Brüder noch zurück zum Portal zu begleiten, weil er der einzige war, der den Weg kannte. Anfangs war die Stimmung noch ausgelassen. Sie waren schließlich alle noch am Leben! Prinz Franz war begeistert von der Art und Weise, wie Will die Schwäche der bösen Fee herausgefunden und ausgenutzt hatte. Jack rammte seinem Bruder kameradschaftlich seinen Ellenbogen in die Seite. „Dieser komische Schinken war also doch zu etwas gut!“, wisperte er dann. Will kratzte sich am Kopf. „Eigentlich habe ich über die böse Fee rein gar nichts in den Originalen gelesen! Das war alles mehr oder weniger geraten!“, gestand er, „Ich war selbst etwas überrascht, dass sie so durchschaubar ist!“
Während die drei so durch den Wald streiften, wurde der Prinz immer stiller. Er sah oft zum Himmel auf und wurde unmerklich schneller. Auf die Frage, ob etwas nicht stimmte, antwortete er etwas verlegen: „Heute Abend veranstalten meine Eltern, der König und die Königin, einen Ball. Meine Anwesenheit ist unbedingt erwünscht, aber eigentlich will ich da gar nicht hingehen! Es ist nur wieder einer dieser Versuche, mich zu verloben!“ „Und warum schließen Sie sich dann nicht einfach uns an? Wir haben eine wichtige Mission und die Hilfe von einem Prinzen kann da bestimmt nicht schaden.“, meinte Jack. Der Prinz sah ihn erfreut an: „Das ist ein sehr großzügiges Angebot!“ „Werdet Ihr es annehmen?“, erkundigte sich Will. Prinz Franz nickte. Je länger alle über die Idee nachdachten, desto besser gefiel sie ihnen.

Da sage nochmal einer, Jack wäre hohl!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*