Wie aus dem nichts

Kapitel 16, Quontos

„Wir nutzen die Bäume hier, um sie zu umzingeln!“, verkündete Robyn ihren Plan im Flüsterton. Während die Höheren in den Büschen gegenüber stöberten, schlichen wir aus unserem Versteck. Rob hatte jedem stumm eine Richtung angewiesen, in die er gehen sollte. Ihr Plan war gut, wenn auch nicht ganz ausgereift, aber etwas besseres wäre mir in der Schnelle selbst nicht eingefallen.

Bedacht darauf, keinen Mucks zu machen, bewegte ich mich langsam auf den Baum zu, der mir von Robyn zugeteilt worden war. Diesen zu erklimmen, war ziemlich einfach, da ich mich auf einen größeren Stein stellte, der neben dem Stamm lag. Von hier aus konnte ich ganz leicht den untersten Ast greifen und mich daran hochziehen. Meine Größe kam mir hierbei zu Gute.
Rund drei Meter über dem Boden hockte ich mich auf einen dicken Ast. Die Aussicht über die Lichtung war nahezu perfekt! Ich sah die Höheren und konnte Rob und Falk zwischen Blättern hindurch erahnen. Wirklich eine großartige Idee von Robyn! Jetzt waren wir im Vorteil. Die Höheren zu besiegen, hatte sich dank dieser Strategie als möglich erwiesen.
Bevor ich weiterdenken konnte, hörte ich Carl, wie er wütend gegen einen Baumstamm trat. „Verdammt! Die haben uns ausgetrickst!“, fluchte er. Milo lachte nur: „Oder es war wieder nur ein Schrumpelflink! Vielleicht mögen die den Busch ja!“
Ein Schrumpelflink war eine Mischung aus Zwergtroll und Tier. Er reichte einem oft nicht weiter als bis zum Knie und sah aus, wie ein magersüchtiger Zwergtroll mit Fühlern und dünnen Schlappohren.
Diese Geschöpfe waren alles andere als Gefährlich. Störte man sie, fingen sie lediglich an wüste Drohungen und Beschimpfungen aus zu stoßen. Wir waren in diesem Levelorium schon mehreren begegnet und anscheinend hatte sich einer von ihnen in diesem einen Busch niedergelassen. Er hatte das Rascheln verursacht!

Es dauerte ein paar Minuten, bis Milo Carl davon überzeugt hatte, er wäre paranoid. Die „feigen Angsthasen“ – damit waren eindeutig wir gemeint – hätten niemals in ihrem Leben den Mumm, sich so nahe an sie heran zu trauen! Als er das sagte, hätte ich ihm liebend gern etwas auf den Kopf geworfen, denn er stand nur ein paar Meter entfernt. Mir war nur leider bewusst, dass es taktisch ziemlich unklug wäre.
Also hockte ich auf dem Ast und wartete auf einen günstigen Moment. Dass es diesen nicht geben würde, wusste ich, als auf einmal jemand neues die Lichtung betrat. Dan Polker!
Na super! Im Schlepptau hatte er Spex Alavarie und Paula. Damit stand eins fest: Lebend hier wieder heraus zu kommen, dürfte eine ziemlich knappe Angelegenheit werden! Zumal sich die Neuankömmlinge aufmerksam umsahen, als würden sie ahnen, dass sie nicht allein waren.
„Was macht ihr denn hier?“, fragte Carl seinen Bruder. Der sah recht wütend aus. Zu meinem Glück gab sich niemand Mühe, leise zu sprechen und so konnte ich, ohne mich extra anzustrengen, dem Gespräch folgen. „Wir wurden umzingelt! Die sind überall!“, schnaubte Dan, „Es besteht kein Zweifel mehr, dass das hier ihr Revier ist!“ „Ja und augenscheinlich haben sie sich verbündet!“, erklärte Spex. Paula sagte nichts. Ihre Augen hatte sie so eng zusammengekniffen, dass sie kleinen Schlitzen ähnelten. Der Effekt war, dass es aussah, als würde sie jede Bewegung in ihrem näheren Umfeld wahrnehmen können. „Siehst du, Milo! Sie sind doch hier! Oder sie waren es zumindest.“, unterbrach Carl meine Gedanken. Milo schien keineswegs beleidigt zu sein. Er zuckte nur mit den Schultern.
„Die anderen kommen auch hierher!“, klärte Dan seinen Bruder auf, „Wir haben sie gerufen!“ Und ehe ich mich versah, standen da die übrigen fünf Höheren. Igor Cuze schien von allen am sauersten zu sein: „Diese Idioten sind einfach so aufgetaucht! Wie aus dem nichts!“

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