Ruhe bewahren

Kapitel 8, Quontos

Ich drehte mich einmal um mich selbst. Alles war voller Makider. Darunter meine Teamkameraden ausfindig zu machen, wäre unmöglich gewesen, wenn wir uns nicht einen Treffpunkt ausgemacht hätten. Um diesen zu erreichen, kämpfte ich mich – gefolgt von meiner Familie – quer durch die Masse. Ich steuerte auf den Riesenwurzler zu, eine seltene Baumart auf unserem Planeten. Dieses Exemplar war besonders einzigartig, denn es wand sich spiralförmig in die Höhe. Wir hatten diese Stelle gewählt, weil wir geahnt hatten, dass sich alle anderen beim Turm in der Mitte des Platzes treffen wollten. Der Baum stand etwas abseits von dem ganzen Trubel, doch man bekam alles Wichtige mit.

Als wir am Baum angelangten, wurde uns bereits eifrig zugewunken. Kyra, Amphos und die Zwillinge Zenn und Jenny (genannt Jenn) warteten bereits mit ihren Familien. Darunter erkannte ich die Eltern der Zwillinge, die große Schwester von Amphos und Kyras Großmutter. Hinter dieser versteckte sich ein kleiner Junge. Außerdem standen zwei Frauen neben Amphos, die ich ebenfalls nicht kannte.
Meine Eltern gingen sofort auf die Eltern von Zenn und Jenn zu. Sie kannten sich seit ewigen Zeiten und spätestens seit der Geburt der Zwillinge und mir – die der erste Schritt einer bis heute währenden Freundschaft war – waren sie mehr als Bekannte. Das lag nicht zuletzt daran, dass wir nebeneinander wohnten, gemeinsam ins Camp (welches entfernt an die irdische Schule angelehnt war) gegangen und jetzt in einem Team für den Quontos waren. Seit acht Jahren waren wir jedoch kein Trio mehr. Zu uns gehörte noch Robyn, das perfekteste Mädchen das man sich nur vorstellen konnte. Zugegeben, seit ich sie das erste Mal gesehen habe, war ich in sie verliebt. Die einzigen, die davon etwas wussten, waren Zenn und meine kleine Schwester Xenia. Diese stand neben Brutus, meinem Bruder, der gerade mal ein Jahr jünger war als ich, während sie vier Jahre nach mir geboren worden war. Dennoch verstanden wir beide uns blendend. Mein Bruder war meist eher introvertiert, doch mit Xenia konnte man praktisch alles machen. Sie gehörte auf jeden Fall zu meinem engsten Freundeskreis. Dieser, der manchmal sogar wichtiger war, als die Familie.
„Und bist du schon aufgeregt?“, die Zwillinge kamen auf mich zugelaufen und Jenn umarmte mich schnell. Ihre Nervosität war ihr anzumerken. Auch Zenn konnte seine Aufregung nicht verbergen. Ich grinste breit. Es schien meinen Kumpel zu verunsichern, weshalb er sich vorbeugte und mir leise etwas ins Ohr flüsterte: „Kyra hat gesagt, sie hätte Robyn heute schon hier gesehen. Ihre Mutter hat sie aber noch mal zu den Durnens geschleift.“ Augenblicklich gefror mein Lächeln. „Was wollen die denn von denen?“ Zenns Mundwinkel schossen in die Luft. „Wer weiß!?“, sagte er halblaut, „Ihre Kampfmaschine von Sohn hat den Quontos vor drei Jahren bezwungen, vielleicht soll Rob sich noch ein paar Tipps holen…“ Es war Xenia die Zenn in den Unterarm zwickte. „Ihr betreten gleich den Quontos! Scherze sind unangebracht!“, meinte meine kleine Schwester streng. Zenn setzte seine gespielt ernste Mine auf, wobei es wie üblich aussah, als würde er jeden Moment niesen müssen. Alle Umstehenden konnten sich ein Lachen nur schwer verkneifen.

Nach einigen Minuten war Sky in der Menge aufgetaucht. Im Schlepptau hatte er seine Tante, seinen Vater und seinen Cousin Falk, der ebenfalls zu unserem Team gehörte. „Jetzt fehlen nur noch Rob, Ally und Bloon“, verkündete Amphos stolz. Mit jeder Minute wurde unsere Vorfreude größer. Unseren Familien schien es nicht so gut zu gefallen. Meine Mutter hatte irgendwann angefangen wild durch die Gegend zu laufen und mir dauernd ängstliche Blicke zu zuwerfen. Mein Vater unterhielt sich noch immer mit Zenn und Jenns Eltern, doch auch er war nicht mehr so ruhig, wie zu Anfang. Brutus stand etwas abseits und bekam mindestens tausend Küsse aufs Haar gedrückt, wenn Mum an ihm vorbei kam. Nur Xenia stand mit bei uns. Alle meine Freunde kannten sie bereits. Gerade wurde sie von Ally gefragt, wieso sie so entspannt war. „Wieso soll ich mir Gedanken oder Sorgen machen, wenn ich genau weiß, dass ihr das schafft?“, fragte sie ruhig. Hinter ihr ertönte plötzlich eine Stimme: „Da hast du wirklich recht!“

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