Reizbar und neunmalklug

Kapitel 10, Quontos

Wir und alle anderen Jugendlichen um uns herum applaudierten laut, während die meisten Begleiter stumm dastanden und uns anstarrten. Ich schaute mich nach meinen Eltern um. Sie standen etwas abseits, hielten sich an den Händen und anscheinend versuchte meine Mutter nicht in Tränen auszubrechen.
Das war er! Genau dieser Blick war es, der mich und so viele andere hier auch, zum Quontos anstachelte. Die aller wenigsten Erwachsenen trauten ihren Kindern zu, dass sie es überleben könnten. Wir wollten ihnen das Gegenteil beweisen und den Quontos unversehrt überstehen. Und das würden wir auch! Wir würden ihnen allen beweisen, was in uns steckt!

Ich ließ meinen Blick durch die Menge schweifen. Ein paar Gesichter erkannte ich: Leute aus meinem Dorf, Makider mit denen ich ins Camp gegangen war und einige andere, deren Namen mir zwar nicht geläufig waren, ich sie aber definitiv schon einmal gesehen hatte.
Es war leicht für mich, über die Köpfe der anderen hinwegzusehen, denn ich überragte viel um mindestens eine Kopflänge. Doch da gab es einen anderen Jungen, genannt der Riese, der selbst auf mich herunter schauen musste. Er war über zwei Meter groß und stach ungemein aus der Menge hervor. Seinen richtigen Namen kannte niemand! Er hatte sich den „Höheren“ angeschlossen, einer gegnerischen Gruppe, bestehend aus selbstverliebten Schnöseln – meisten mit berühmten Eltern. Ich kannte sie, weil sie schon im Camp immer zusammen abgehangen hatten. Eins musste man ihnen aber lassen: So arrogant sie auch waren, die elf waren allesamt Meister in den Dingen, die sie taten.
Beispiel: Es weilte unter ihnen nur ein einziges Mädchen und die konnte mit Messer praktisch mehr machen, als man sich vorstellen konnte. Ihr Name war Paula Crimes. Ihren Eltern gehörte ein Haus unweit dem Unseren. Wenn du auch nur auf die Idee kommen würdest, sie zu provozieren, wäre dein Leben potentiell gefährdet. Dann sollte es vermieden werden, sich ihrem Fenster mehr als einhundert Meter zu nähern. Sie allein könnte die Hälfte von uns umlegen, ohne danach ein schlechtest Gewissen zu haben.
Paula gepaart mit den anderen, die zum Team der Höheren gehörten, wären – laut meinen Eltern – Gefahr genug in dem Levelorium. Sie hatten mir oft nahegelegt, mich von ihnen fernzuhalten, doch das war eh ein Plan gewesen, den wir und unsere Verbündeten geschmiedet hätten.
Ja, richtig! Wir hatten nicht nur Gegner, sondern auch ein Team, dass sich schon vor Beginn des Quontos mit uns verbündet hatte. Sie hatten sich die Adleraugen genannt und waren zu acht. Sechs Mädchen und zwei Jungs, von denen ich persönlich gerade mal eine einzige kannte. Der Rest war nicht aus unserem Dorf und hatte wohl auch ein anderes Camp besucht. Wieso genau wir dennoch auf ein Bündnis eingegangen waren? Gute Frage! Zenn und ich hielten die Truppe für etwas… ähm… seltsam!
Drei von ihnen sprachen in unserem Beisein kein Wort, ihre Vorbereitung hierauf hatte aus theoretischem Geschwafel und einschläfernden Atemübungen bestanden und dazu kam, dass sie allesamt Klugscheißer waren. Vor einigen Tagen, waren Bloon und Amphos irgendwie auf das Thema Todschatten gekommen. Das war eine der Gefahren im Levelorium. Eine Pflanze mit giftigen Dornen, die ausnahmslos jeden tötete, der eine davon berührte. Wie wir nun wussten, reichte es, eine der Dornen leicht zu streifen und das Gift des Todschattens war angeblich auch ganz besonders: Es tötete erst die äußere Schicht – sprich die Haut – und anschließend das Innere, also alle Organe und sowas. Laut diesen neunmalklugen Atemfuzzis war es einer der schlimmsten Tode, die einem im Levelorium erwarteten.
Hätte ich das alles wissen wollen, hätte ich nur Xenia fragen müssen, denn meine kleine Schwester war mindestens genauso intelligent wie diese Langweiler. Vermutlich hatten wir uns nur mit ihnen Verbündet, damit sie uns endlich in Ruhe ließen und nicht andauernd nervten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*