Pläne schmieden

Kapitel 11, Quontos

Die letzte Stunde war so schnell an mir vorbei gezogen, als wären es nur wenige Minuten gewesen. Erst die feierliche Rede der Gryffs, dann die Verabschiedung meiner Familie und die Glückwünsche von allerhand Bekannten und anschließend die Öffnung des Steinernen Tors, welches direkt in das Levelorium führte.
Nun standen wir also hier. Der Quontos hatte endlich begonnen! Keine wagen Vorstellungen mehr, die man im Kopf hatte, jedes Mal wenn man an den Moment dachte, in welchem man das Levelorium betrat. Der harte Boden unter meinen Füßen war echt, die Luft und das Zwitschern der Vögel ebenfalls. Unter normalen Umständen, hätte ich mich wie in einem ganz normalen Wald gefühlt, doch das war der Quontos! Der tödliche Test, den nur wirklich begabte Jugendliche mit dem Willen und der Stärke dazu bezwangen.

„Seltsames Gefühl!“, gestand Ally. Ohne es wirklich steuern zu können, nickte ich. Das Steinerne Tor hatte sich erst vor wenigen Augenblicken geschlossen und noch standen alle drei Teams auf derselben Lichtung. Schnell hatten die Höheren – die nicht im entferntesten so überwältigt zu sein schienen, wie wir anderen es waren – sich eine Richtung ausgesucht. „Wir werden uns bestimmt noch einmal wiedersehen! Wenn ihr bis dahin überlebt!“, spottete Dan Polker, der Anführer der Gruppe. Er war der klassische Houl, den es in jedem Dorf und in jedem Camp gab. Als Houl wurden diejenigen bezeichnet, die sich für etwas besseres hielten, arrogant und respektlos auf alle anderen hinabblickten und der Meinung waren, dass jedes Mädchen auf sie abfahren würde. Ich hatte ihn noch nie leiden können! Zenn meinte, es würde daran liegen, dass Dan sich, wann immer er sie sah, an Robyn heran machte. Sie hielt glücklicherweise genauso wenig von Angebern.
Nachdem die Höheren nun also gegangen waren, blieben wir mit den Adleraugen allein zurück. „Suchen wir uns auch eine Richtung aus!“, schlug Bloon vor. Da niemand einen anderen Vorschlag machte, taten wir auch genau das. Wir entschieden uns für Westen, erkennbar an den Moosen auf den Baumstämmen.

Bereits nach einer halben Stunde, gingen mir unsere Verbündeten dermaßen auf die Nerven, dass ich für einen Moment überlegte, sie einfach stehen zu lassen. Wegen einer von denen waren wir so langsam, dass uns sogar ein beinloser Troll hätte überholen können. An jeder dritten Pflanze blieb sie stehen, erklärte wie giftig diese angeblich war oder rochen zaghaft daran.
Keine zehn Minuten später wurde es auch meinen Teamkameraden zu viel. „Wie wäre es, wenn wir uns erstmal über eine Taktik unterhalten würden?“, schlug einer der Adleraugen-Jungen vor. Amphos bemühte sich um einen höflichen Tonfall: „Was schwebt euch denn so vor?“ Das hätte er nicht fragen sollen! Die Adleraugen kamen zusammen und es kam mir fast so vor, als hätten sie sehnsüchtig darauf gewartet endlich ihren „genialen“ Plan vorzustellen. Ich rollte vielsagend mit den Augen, denn das könnte jetzt länger dauern.

Tatsächlich verbrachten unsere Verbündeten eine ganze Viertelstunde damit, uns ihr Überlebenskonzept vorzustellen. Zenn hatte währenddessen mehrmals laut Gegähnt, was die noch nicht mal mitbekamen. Sie waren voll in ihrem Element. „Was würdet ihr davon halten abzuhauen?“, flüsterte ich den anderen zu. Jenn schüttelte schläfrig den Kopf, bevor sie laut einen Kommentar zu den Plänen abgab. „Es hört sich wirklich sehr gut an, im ganzen Levelorium Verstecke und Lagerräume anzulegen, aber ich hoffe nicht, dass wir so lange hier drin stecken, wie es dauern würde das alles aufzubauen!“
„Mein Vorschlag wäre es, einen gemeinsamen Unterschlupf und zwei separate und geheime Verstecke zu errichten. Das erscheint mir am günstigsten.“, mischte sich Kyra ein, die Meisterin in Sachen Strategie. Etwas gekränkt, wegen der Abweisung ihres Plans, gaben sich die Adleraugen schließlich damit zufrieden.

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