Pech am laufenden Band

Kapitel 7, Marendie

Ich stand nun schon eine ganze Weile vor dem Raum, in dem ich eigentlich seit einer halben Stunde sitzen sollte, doch ich traute mich einfach nicht rein. Meine Eltern hatten sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, mich in eine andere Klasse versetzen zu lassen…

Plötzlich wurde ich aus meinen Gedanken gerissen, denn es standen zwei Fremde hinter mir. Ein Junge und ein Mädchen. Sie sahen nett aus. „Habt ihr auch den Bus verpasst?“, fragte ich und versuchte so zu wirken, als wäre ich eben erst angekommen. Die beiden schüttelten die Köpfe. „Wir fahren nicht mit dem Bus! Wir wohnen hier in der Nähe…“, meinte das Mädchen. Der Junge ergänzte: „Das ist unser erster Tag und wir haben verschlafen…“ Ich nickte. „Willst du die Tür nicht auf machen?“, fragte der Junge und schaute mich irritiert an. Ich glaube, mein Gesichtsausdruck war in diesem Moment ähnlich dem einer grau gestrichenen Wand. Also zuckte ich mit den Schultern. Das Mädchen lächelte mitleidig an und drängelte sich an mir vorbei. Dann klopfte sie. Eine vertraute Stimme rief uns herein.

„Ihr seit zu spät! Wäre das nicht euer erster Tag, gäbe das einen Eintrag im Klassenbuch.“, erklärte Mrs Smidt. Sie war früher und wohl auch dieses mal meine Klassenlehrerin. „So, das sind eure neuen Klassenkameraden!“, fing die Mrs Smidt an, „Das sind Clara und Benjamin! Ihr zwei dürft euch auf die lehre Bank hier vorne setzten. Mara dürftet ihr alle noch kennen. Schön das du wieder da bist! Wie geht es deinem Opa?“ Es traf mich wie ein schlag ins Gesicht. Auf einmal konnte ich mich nicht mehr bewegen und fühlte einen dicken Kloß im Hals. „Also, schmerzen hat er nicht!“, stammelte ich. Mehr bekam ich nicht aus mir raus. Mrs Smidt bemerkte glücklicher Weise nicht, wie verkrampft ich auf einmal lächelte. Sie schaute durch den Raum, um einen freien Stuhl für mich auszusuchen. Dann wendete sie sich wieder an mich. Anscheinend hatte sie einen Platz gefunden. „Schön! Dann nimm deine Sachen und setz dich neben Vivien.“ „Vivien?“, fragte ich und meine Tasche viel auf den Boden. Vivien stand auf, kam zu mir und hob meine Tasche auf. „Hallo, Mara!“, grinste sie mich an, „Wir haben uns lange nicht mehr gesehen!“

Ich wusste genau, dass ihr Grinsen falsch war, denn sie war immer die erste gewesen, wenn es darum ging, andere, in dem Falle mich, zu mobben. Das Problem, sie war von der ersten Klasse bis heute immer Klassensprecherin gewesen. Alle vergötterten sie und das sah man auch bei dem Wahlergebnis. Es gab nur eine Person, die nie für Vivien gestimmt hatte. Ihr dürft dreimal raten, wer das war. Natürlich ich! „Mara? Gibt es irgendein Problem?“, fragte Mrs Smidt. Vivien antwortete für mich: „Keine Sorge, wir kümmern uns um sie! Wir sind schließlich alte Freundinnen!“ Dann zog mich die stark geschminkte Blondine hinter sich her, bis in die letzte Reihe, wo sie und ich wohl sitzen sollten…

Ich hatte keine Ahnung was eben geschehen war. Plötzlich saß ich in der hintersten Reihe am Fenster. Neben Vivien. Am liebsten hätte ich mir jetzt selbst eine Ohrfeige gegeben, damit ich endlich aus diesem Albtraum erwachen würde, aber wenn das jetzt echt wäre, würde das mega peinlich sein, also tat ich es lieber nicht! Diese und auch die nächsten Unterrichtsstunden saß ich stumm auf meinem neue Platz. Ich sagte nichts. Ich weiß es nicht genau, aber ich glaube, einige Lehrer haben mich angesprochen. Doch ich habe nicht reagiert. Ich befand mich in einem schwarzen, dunklen Raum, in dem ich nichts, aber auch gar nichts mitbekam. Und so ging das bis zur Mittagspause…

Also ich die Mensa betrat, fiel mir sofort das neue Mobiliar ins Auge. Große, runde Tische standen nun im dem riesigen Raum. Natürlich lies mich meine Pechsträhne auch hier nicht los… es waren Klassentische. Das es Wurstgulaschsuppe gab, wunderte mich nun nicht mehr. Ich hatte zwar von dieser Art von Suppe noch nie zuvor gehört, aber das war mir eigentlich auch egal. Dann hatte ich eben weder Frühstück, noch Mittag… aber hunger! Ich kramte einen kleinen Beutel aus meiner Hosentasche hervor, in den ich ein wenig Geld gesteckt hatte, bevor ich losgegangen bin. Ja, es reichte für eine kleine Mahlzeit. Wenigstens das…

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