22. Dezember

22. Türchen, Weihnachtskalender

Und wieder marschierten die Zwillinge und ihre Gefährten durch den Wald. Jack kam das alles langsam vor wie die Klassenfahrt in die Berge vor drei Jahren. Wandern bis die Schuhe bereit für die Tonne waren. Das hier war ja grob gesehen nichts anderes und dementsprechend auch genauso langweilig. Unmotiviert im Gänsemarsch einen matschigen Trampelpfad entlang latschen, Vögeln beim Zwitschern zuhören und obendrein – das einzige, was diesen Ausflug wirklich von der Klassenfahrt damals unterschied – Wills Märchentheorien lauschen.

21. Dezember

21. Türchen, Weihnachtskalender

Glücklicherweise kannte Rina einen Teich ganz in der Nähe. Ein paar Minuten länger und Jack hätte den kleinen grünen Kerl erwürgt. Das oder er wäre von Rina mithilfe ihrer selbstgebauten Schleuder meilenweit in die Ferne befördert worden, denn er nervte sie extrem. Dauernd faselte er etwas vom Küssen und das er ein Prinz sei. Kaum zu glauben, dass ein willensstarkes Mädchen wie Rina normalerweise von einem Wolf gefressen werden würde, weil es jung, naiv und dumm war. In den Büchern wirkte sie so, aber stand man dann in Wirklichkeit vor ihr… naja… keine Spur von dem allen! Oder welches dummes, naives Mädchen schlägt einen Typen in einer dunkeln Seitengasse nieder und bestiehlt ihn?

20. Dezember

20. Türchen, Weihnachtskalender

Was tat man nicht alles, um die Schulden bei einem größenwahnsinnigen Kleinwüchsigen zu begleichen? In diesem Fall mussten die vier zurück zum Dorf, aus dem sie gekommen waren, um von dort etwas zu holen. Aber nicht einfach nur irgendetwas, sondern eines der drei goldenen Haare des Teufels.
Richtig gehört! Der Teufel! Rumpelstilzchen wollte sich unbedingt mit ihm anlegen, damit in Zukunft ausnahmslos jeder seinen Namen kannte und ihn (Zitat) „nicht immer wegen seiner Größe auslachte“. Wäre er nicht der böse Fiesling aus einem Märchen, hätte Will vielleicht sogar Mitleid mit ihm gehabt, aber so?

19. Dezember

19. Türchen, Weihnachtskalender

Als wäre die Situation nicht schon schrecklich genug, hatte sich nach einer kleinen Weile auch noch Rapunzel aus dem Fenster gebeugt und ihr abgetrenntes Haar entdeckt. Sie verfiel – zum Leidwesen aller – in hysterisches Gekreische und wollte mit jammern gar nicht mehr aufhören. Die Beruhigungsversuche von Franz („Es ist alles gut! Wir bekommen das wieder hin!“) halfen genauso wenig, wie Rinas genervte Rufe („Das sind nur Haare! Die wachsen nach und Ihr scheint mir eh viel zu viele gehabt zu haben!“).

18. Dezember

18. Türchen, Weihnachtskalender

„Es sind sieben!“, rief Will den anderen zu. Franz drehte sich im Rennen um: „Was soll uns das sagen? Außer, dass sie in der Überzahl sind, meine ich!“ „Die sieben Raben ist ein Märchen! Das sind verfluchte Jungs, die darauf warten, von ihrer Schwester…“, begann Will. Rina unterbrach ihn: „Hier rein!“ Sie stand an einer hohen Wand aus Stein, die plötzlich aus dem Waldboden ragte und der Fuß eines gewaltigen Berges war. Rina winkte die drei anderen an einen ganz bestimmten Punkt, vor dem ein Haufen Pflanzen hingen. So dicht verwachsen, dass man es glatt übersah, wenn man nicht davon wusste. Anscheinend handelte es sich um den Eingang zu einer Höhle.

17. Dezember

17. Türchen, Weihnachtskalender

Eigentlich hatte Will noch weiter mit Rina über das Buch reden wollen, doch das war ihm nicht vergönnt worden. Auf einmal war nämlich ein vermummter Reiter auf einem großen, schwarzen Pferd angeprescht gekommen. Er steuerte geradewegs auf den Stand einer jungen Frau zu, die Töpferwaren zu verkaufen versuchte (was für ein Zufall!). Fast hatte er den Stand erreicht, rutschte das Pferd plötzlich auf etwas gelben aus, verlor das Gleichgewicht und plumpste auf die Seite. Weder Rina noch Will hatten recht begriffen, was soeben passiert war, da wurden sie von hinten gepackt und ohne weitere Umschweife weggezerrt.

16. Dezember

16. Türchen, Weihnachtskalender

Auf dem Weg zum Dorf waren die elf zwei Kindern begegnet. Das waren natürlich Hänsel und Gretel, doch da sich alle Exgefangenen vorstellen konnten, wie die Knusperhexe gerade drauf war, hielten es alle – außer Ragey – für unverantwortlich, die beiden Kinder zu ihr zu lassen. Jack hatte sich dahingehend verplappert und nun waren sie dreizehn, die durch den Wald schnauften, um irgendwann in hoffentlich naher Zukunft das Dorf zu erreichen.

15. Dezember

15. Türchen, Weihnachtskalender

Es dauerte eine geraume Zeit, aber es klappte! Die Knusperhexe kam währenddessen nur zweimal vorbei. Das erste Mal, um zu verkünden, dass Will der erste im Ofen sein würde und das zweite Mal, weil sie Freude daran zu haben schien, ihren Gefangenen mitzuteilen, dass sie fantastische Braten abgeben würden. Dass ihre Braten gerade damit beschäftigt waren, ein Loch in ihre Lebkuchenwand zu futtern, fiel ihr vor lauter Lachen nicht auf. Zumal die elf auch vor dem stetig wachsenden Loch standen, sobald Ragey Alarm schlug.

14. Dezember

14. Türchen, Weihnachtskalender

Erst jetzt kam Will dazu, sich umzusehen. Er, sein Bruder, Prinz Franz, die sieben Zwerge und Rotkäppchen waren gefangen in einem düsteren Raum ohne Fenster. Es gab nur eine vergitterte Tür, durch die man in das Zimmer sehen konnte, in welchem sie noch bis vor einer Weile gesessen hatten. Wenn man von hier aus gerade in diesen schaute, viel der Blick auf den großen Kamin. Will wurde so schnell so viel klar, dass sich ein leichtes Schwindelgefühl in ihm ausbreitete.

13. Dezember

13. Türchen, Weihnachtskalender

In der Hütte stieg den zehn ein süßlicher Geruch entgegen. Will war der einzige, der misstrauisch die Nase rümpfte. Alle anderen sahen sich fasziniert um. Sie standen in einem kleinen Raum, von dem ein paar Türen abgingen. In einer Ecke führte eine schmale Treppe ins Obergeschoss. In eine Wand war ein geräumiger Kamin eingelassen, den man mit einem stabil wirkenden Gitter verschließen konnte.