Ganz bestimmte Orte und ganz bestimmte Pflanzen

Kapitel 17, Quontos

Auf einmal tippte mich jemand von hinten an. Mein Herz setzte für einen Moment aus. Eine Sekunde zuvor hatte ich doch noch alle elf Höheren auf der Lichtung gesehen. Die einzige Erklärung – es war kein Höherer. Damit sollte ich auch richtig liegen, denn kaum hatte ich mich herumgedreht, grinste mir Zenn ins Gesicht. „Du siehst aus, als hätte dich ein Dämonenhauch gestreift!“, das war Jenn. Sie saß auf einen Ast weiter oben. Verwirrt starrte ich die Zwillinge an: „Wie kommt ihr hierher?“

Nachdem mir die beiden erzählt hatten, sie wären den Höheren gefolgt, kam es zu einem weiteren Schreckensmoment. Diesmal war aber nicht ich das Opfer, sondern Jenn. Es war irgendwie beruhigend zu sehen, dass ich nicht der einzige war, der nicht damit rechnete, von hinten überrascht zu werden. Jenns Gesichtsausdruck, als sich Robyn über ihre Schulter beugte, war Zenns leisem Lachen zufolge mindestens genauso lustig, wie meins. Mich lange an dieser Feststellung erfreuen, konnte ich aber nicht! Dass Rob jetzt mit bei uns saß, war kein gutes Zeichen!
„Wir sind alle da! Die Höheren sind umzingelt!“, erklärte Robyn ernst. Ich schluckte: „Ducken und wegschleichen ist keine Option?! Wie hast du das den Angstaugen beigebracht?“ „Adleraugen, und es ist ihre Entscheidung, ob sie mitmachen oder nicht! Es geht hier nicht darum, eine Schlacht zu gewinnen, sondern zu zeigen, dass wir etwas drauf haben!“ Ich war ehrlich beeindruckt.
Rob klang so sicher! Doch vielleicht lag es daran, dass sie es gesagt hatte, denn die Zwillinge schienen meine Begeisterung für den Plan nicht zu teilen. „Du hast da nur eine Kleinigkeit vergessen: Den Höheren ist es egal, ob wir sie verletzen oder nur einschüchtern wollen! Sobald sie einen von uns sehen, werden sie versuchen ihn zu töten!“ Das war ein Argument. Meine Stimmung schwang ganz plötzlich um. Damit kam mir aber auch eine Idee: „Dann dürfen sie uns eben nicht sehen!“

Der Plan stand! Normalerweise war ich kein Fan von Eigenlob, aber in diesem Fall, machte ich da mal eine Ausnahme! Mein Einfall war brillant! Zugegeben, die Strategie, auf der meine Idee beruhte, war nicht neu, doch in unserer Situation Gold wert!
„Bereit?“, Robyn und die Zwillinge hatten höchsten vier Minuten gebraucht, um die anderen in unseren Plan einzuweihen. Dafür mussten sie einmal um die ganze Lichtung herum, wo unsere Freunde und Verbündete postiert waren. Die Höheren schienen nichts von alledem mitzubekommen. Sie standen noch immer zusammen und beklagten sich über alles Mögliche. Anscheinend hatten sie noch nicht mal unsere Anwesenheit bemerkt.
Ich schaute noch ein letztes Mal auf die Lichtung, dann drehte ich mich zu den anderen: „Es kann losgehen!“ Wir schwangen uns so leise wie es nur möglich war von dem Baum und bewegten uns, bemüht um genau dieselbe Lautstärke, weiter in die Richtung, in der ein Trampelpfad verlief, über den die Höheren gekommen waren. Dort angelangt, trafen wir auf Ally und zwei Mädchen der Adleraugen. Zwischen uns verlief der Pfad. Mit einem Nicken bedeutete Ally mir, dass alles bereit war. Wir konnten also starten!
Ich zog ein Stück Graumoos und ein kleines Fläschchen aus meiner Tasche. Den Inhalt des Fläschchens tröpfelte ich über das Moos. Es dauerte keine 30 Sekunden, da sprang nur wenige Meter neben uns, ein mittelgroßes Wesen aus einem Gebüsch. Ein Schrumpelflink! Die Tinktur hatte gewirkt und den Geruch des Graumooses verstärkt. Makider konnten das nicht mit der Nase wahrnehmen, doch Tiere allemal! Und dieser ganz spezifische Geruch war oft besonders wirksam! Schrumpelflinke hatten nämlich noch eine andere Eigenschaft, neben dem Beschimpfen. Der eigentliche Grund ihrer Existenz war es, eine bestimmte Pflanze an bestimmte Orte zu befördern. Diese Pflanze war natürlich das Graumoos und der Ort an den sie es zu bringen versuchten, waren schattige Höhlen, meist in Steinbrüchen gelegen. Ganz zufällig war ein solcher in unmittelbarer Nähe, was aber nicht hieß, dass der Schrumpelflink es einfach haben würde!
Obwohl es so einem Klappergestell nicht anzusehen war, konnten sie ein hohes Tempo erreichen. Das hing auch mit ihrer Aufgabe zusammen, das Graumoos zu transportieren, denn nicht nur sie, wurden von dem Duft angelockt! Diese Pflanze war die Lieblingsspeise unzähliger Tiere und auch diese Tatsache kam unserem Plan zugute!

Ein Kommentar zu “Ganz bestimmte Orte und ganz bestimmte Pflanzen

  1. Liebe Leserinnen und Leser,

    da wir heute Reformationstag bzw Halloween haben, gibt es ein extra Kapitel Quontos. Schreibt doch bitte einen Kommentar, in dem ihr euch zu der Geschichte äußert. Wie gefällt euch die Handlung? Welcher der Charaktere ist euer Liebling? Wie gut gefällt euch mein Schreibstile? Außerdem würde ich gerne wissen, wie die Aktion mit den Steckbriefen der einzelnen Charaktere ankommt. Auch dazu könnt ihr gerne einen Kommentar schreiben.

    Damit wünsche ich euch noch einen schönen 31. Oktober mit viel Süßem und möglichst wenig Saurem und freue mich auf viele Kommentare von euch.

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