Fliegende Messer

Kapitel 14, Quontos

Die Diskussion hatte länger gedauert, als erwartet. Inzwischen war die Nacht hereingebrochen, doch wir waren uns sicher, dass auch die uns nicht vor den Höheren schützen würde. Richtige Jäger waren Nachtaktiv und da es vermutlich zu gefährlich gewesen wäre, zurück zu unseren Verstecken zu gehen, hatten wir uns gemeinsam mit den Adleraugen dazu entschlossen, hier oben auf dem Berg zu übernachten.
Ein Feuer zu entzünden befanden wir als zu auffällig. Deshalb erklärte sich Bloon freiwillig bereit, die Nachtwache zu übernehmen. Das war genau der richtige Job für ihn, denn er konnte klettern wie ein Affe. Von einem Baum aus, hatte er den perfekten Überblick über unser Umfeld. So konnten wir anderen ruhig schlafen.

Am nächsten morgen weckte mich ein Geräusch. Etwas flog ganz dicht an meinem Ohr vorbei. Als ich die Augen aufschlug und nachschaute, konnte ich es nicht fassen. „Leute, aufstehen! Sofort!“, rief ich, laut genug um die anderen aufzuwecken. „Was ist los?“, gähnte Zenn. Ich zog ihn auf die Beine und deutete auf einen Stein, der entzweit war – getroffen von einem Messer! Das konnte nur eins bedeuten… „Verdammt! Sie sind hier!“ Robyn sah sich um: „Aber Bloon! Er hätte uns warnen müssen!“
„Etwas muss passiert sein!“, rätselte Falk. Ich sah mich um, gefasst auf weitere fliegende Mordwaffen. „Wir haben jetzt nicht die Zeit zum Spekulieren! Wir müssen unbemerkt hier weg!“, das war meine Meinung. Heftig nickend stimmten mir die Adleraugen zu. Feiglinge!
Sie hatten bisher immer die Flucht ergriffen, wenn Gefahr drohte. Insgeheim hoffte ich, dass sie es nicht schaffen würden, den Quontos zu bezwingen! Wenn es solche Schisser schaften, war jeder Tod – und möge er noch so heldenhaft oder aufopferungsvoll sein – gar nichts wert! Jeder Verlust würde um ein vielfaches größer werden und die Helden, zu denen nachfolgende Generationen aufsehen würden, wären aufgepumpte Möchtegern-Überlebenskünstler. Nicht, dass ich irgendjemandem den Tod wünschte! Sie sollten einfach nur… ach, darüber konnte ich auch noch später nachdenken! Gerade hatten wir ganz andere Probleme!

Wachsam schlichen wir den Weg entlang. Die Höheren könnten jederzeit auftauchen. Aus unerfindlichen Gründen hatten sie uns hier aufgespürt, was bei der Größe des Leveloriums keine leichte Sache war.
Falk war voran gegangen und ich lief hinter ihm. Dicht an meine Fersen geheftet, schlich Rob. Zugegeben, diese Tatsache lenkte mich etwas ab, aber ich versuchte mich ausschließlich auf unseren Weg zu konzentrieren. Die Betonung lag dabei auf versuchte! Auch wenn ich es mir gerne eingeredet hätte, war ich nun leider gar nicht mehr bei der Sache! Meine Gedanken kreisten wie wild durch meinen Kopf. Was sollte ich tun, wenn die Höheren ganz plötzlich vor uns auftauchen würden und… und Robyn verletzt werden würde? Das schien mir schlimmer, als selbst etwas abzubekommen!
Weil ich nicht aufpasste, rannte ich volle Kanne in Falk hinein, der stehen geblieben war und nun den Zeigefinger auf die Lippen legte. Auf einmal wieder voll einsatzfähig, schaute ich ihm über die rechte Schulter. Das erste was mir auffiel: Wir waren bereits am Fuß des Berges angekommen. Das zweite: Ganz dicht bei dem Busch, in dem wir hockten, standen Milo Fang, Carl Polker und der Riese auf einer Lichtung.
Jemand drückte mich von hinten sanft zur Seite. Eine dritte Erkenntnis: Wir hatten uns aufgeteilt. Ich war einfach Falk hinterher gelaufen. Anscheinend hatten sich die anderen ausgemacht, in kleineren Gruppen weiterzugehen, als sie von der Anwesenheit der Höheren Wind bekommen hatten. Eine wirklich gute Taktik – hätte von mir sein können! War sie aber nicht! Ich war nur froh, dass ich wieder klar denken konnte, obwohl auch jetzt Robyn unmittelbar neben mir saß.
Ich fühlte mich echt schlecht, weil ich in einem Moment, der absolute Alarmbereitschaft forderte, nicht in der Lage war, zu sehen was um mich herum passierte. Und das Alles wegen einem Gefühl, dass seit acht Jahren in mir existierte! Nach so langer Zeit sollte man meinen, es im griff zu haben, aber da irrte ich mich gewaltig!

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