Unausgesprochene Worte

Kapitel 3, Quontos

„Komm schon, Rob! Du liebst ihn, er liebt dich! Das geht doch jetzt schon seit Jahren so! Wo ist da das Problem?“ In diesem Moment war ich dann doch sehr froh darüber, nur geistig anwesend zu sein. Sich diese Fragen von Zenn anzuhören, war mir schon unangenehm, wenn wir beide allein waren. Jetzt stellte er sie Robyn (im bei sein von Jenn).
Um ehrlich zu sein, konnte ich mir nicht vorstellen, dass Rob in mich, Cedric Tukk, verliebt war. Wir kannten uns nun schon seit so vielen Jahren und waren eng befreundet. Zenn sagte, eng genug für eine Beziehung, ich sagte, zu eng für eine Beziehung. Mit Jenn hatte ich noch nie darüber geredet, aber von ihrem Bruder wusste ich, dass sie wohl ähnliche Gespräche mit Rob führte. Woraus genau diese bestanden und vor allem wie sie endeten, kam in seinen Berichten nie vor. Er meinte, es wäre nicht nötig Zeit und Energie dafür zu verschwenden, Jenn darüber auszuquetschen – es würde nichts bringen – doch mir war natürlich bewusst, dass er mehr wusste, als er zugab.

„Über solche Dinge redet sie bestimmt nicht mit dir!“, giftete Jenn ihren Zwilling an. Sogar im Sterben hätte ich Zenns Antwort wortwörtlich mitsprechen können: „Aber mit dir, oder was?“ „Hört doch mal auf! Alle beide!“, mischte sich Rob ein, „Zenn weiß es doch ohnehin schon, also warum noch lange um den heißen Brei herum reden?“ Ich sah das triumphierende grinsen meines Kumpels vor meinem inneren Auge, genauso wie den entsetzten Blick seiner Schwester. Was ich allerdings nicht sah, war Robyns Gesicht. Ob sie auf den Boden sah oder schuldbewusst in Zenns stahlgraue Augen blickte, würde ich wohl nie erfahren.
„Du musst mir aber versprechen Cedric nichts zu sagen! Ich bezweifle ehrlich gesagt immer noch, dass er in mich verknallt sein soll.“, das war wieder Rob. Wenn sie wüsste… „Ach, jetzt fang nicht schon wieder damit an!“, meinte Jenn mitfühlend, „Das hatten wir jetzt schon tauschend mal, mindestens!“ „Außerdem habt ihr, was Ceds Gefühle angeht, einen echten Experten bei euch sitzen.“ „Spinner“, betitelte ihn Jenn. Rob stöhnte. „Schon gut“, sagten Zenn und Jenn unisono. Dann mussten alle drei lachen.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich mitgelacht hätte. Meine komplette Welt hatte sich gerade innerhalb von wenigen Minuten auf den Kopf gestellt. Alles purzelte durcheinander und dazu kamen diese extremen Kopfschmerzen, die eingesetzt hatten, als ich mir die Situation bildlich vorgestellt hatte (die Sache mit dem inneren Auge und so). Konnte mir nicht jemand von den dreien irgendetwas verabreichen? Von mir aus würde auch das nasse Tuch von vorhin reichen, denn auf einmal wurde mir so richtig heiß.
Als hätte sie meine Gedanken gelesen, legte mir Rob ihre Hand auf die Stirn. „Fieber hatte er vorhin aber noch nicht gehabt!“ „Fieber? Ist es schlimm?“, nun war es Zenn, der besorgt klang. Robyn lies sich mit der Antwort Zeit: „Das Fieber an sich ist nicht so schlimm, es ist nur eine leichte Temperaturerhöhung“ – eine leichte Temperaturerhöhung? Ich wusste ja nicht, woran sie das festmachte, aber es war auf jeder Fall die Unwahrheit – „Sowas weißt immer auf noch etwas anderes hin. Wir müssen schnell herausfinden, was es ist, sonst kann uns auch kein Gefühlsexperte mehr helfen.“
Ich konnte die Hektik, die in der Luft lag, förmlich riechen. Viel mehr als das, spürte ich aber nicht. Nur noch den Schweiß, der mir heiß und kalt abwechselnd in Sturmbächen über den ganzen Körper lief. Sogar Zenn hatte seine lästigen Kommentare eingestellt. Robyn beauftragte die Zwillinge mit allerhand Dingen. „Und beeilt euch! Das was Ced hat, könnte wirklich schlimm sein! Man wacht schließlich nicht einfach so nicht mehr auf.“, beendete sie ihren Vortrag. Die Worte Lebensgefahr und Koma lagen so deutlich in der Luft, als hätte sie sie ausgesprochen. Die Stimmen und Geräusche wurden wieder dumpf und entfernten sich ganz langsam. Ich versuchte mit allerletzter Kraft erneut die Augen zu öffnen – ohne Erfolg! Ich wusste nicht wie, schließlich war ich nicht wirklich wach, doch ich dämmerte wieder weg und schlief ganz langsam ein. Was die anderen unternahmen um mir zu helfen oder ob sie sich weiter über Gefühle und Liebe unterhielten, bekam ich nicht mehr mit.

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