Der Zauberrat

Gajona, Kapitel 29

„Ist das immer so?“ fragte Emma flüsternd. Sina antwortete leise: „Ja, das halbe Fest verbringt man damit, anderen Leuten die Hand zu geben.“ Emma stöhnte. Wie sollte man ein Fest feiern, wenn man keine Zeit zum feiern hatte? „Das war das letzte Königspaar“, sagte Ekaron. Die acht Freunde, die nahe der Bühne alle begrüßen mussten, atmeten erleichtert auf. Erst jetzt bemerkten sie die schöne Musik im Hintergrund. Es war inzwischen dunkel geworden und die Wiese wurde von schwebenden Lichtern hell erleuchtet. „Willst du tanzen?“ fragte Ekaron Vanessa und reichte ihr seine Hand. Vanessa nickte strahlend.

Kurz darauf fragte auch Tom nach einem Tanz. Sina willigte ein und die Zwei traten auf die Tanzfläche. „Sorry, aber ich kann nicht tanzen!“, sagte Leon und nahm sich einen Drink. Bill tat es ihm gleich. Dabei sah er aus den Augenwinkeln, wie Emma enttäuscht ausatmete. Das bemerkte auch Kate. „Komm, dann tanzt du halt mit mir!“, sagte sie übermütig. Sie zog ihre Freundin hinter sich auf die Tanzfläche.

So verging die Zeit. Ekaron schaute sich immer wieder nach jemandem um. Er war unkonzentriert. Da passierte es. Es musste ja passieren….. Ekaron setzte seinen Fuß falsch vor Vanessas Füße und sie stolperte, direkt auf eine der Kellner-Elfen zu. Die beiden krachten gegeneinander. Die Kellner-Elfe hatte ein Tablett mit Getränken in der Hand gehabt. Jetzt war die Flüssigkeit überall auf Vanessas Kleid verteilt. Sie blickte an sich herunter. Alle Augen waren auf sie gerichtet. Ekaron sah nicht, ob seine Freundin wütend oder traurig war, und er konnte Vanessa auch nicht fragen, denn sie rannte weg. Als er ihr folgen wollte, legte ihm jemand eine Hand auf die Schultern. Ekaron drehte sich um.

„Ich weiß nicht, ich glaube Vanessa ist ziemlich enttäuscht“, sagte Kate, die stehengeblieben war und ihrer Schwester nachschaute. „Sollen wir ihr nicht hinterher?“, fragte Emma. Kate schüttelte den Kopf: „Alle Leute haben sie angestarrt… es ist ihr peinlich und sie möchte allein sein… glaube ich“ Die Musik ertönte wieder und egal, ob Emma und Kate Vanessa hinterher wollten oder nicht, sie hatten keine Chance. Um sie herum waren überall tausende Paare, die über die Tanzfläche wirbelten. Dann begannen auch Kate und Emma wieder damit.

Vanessa standen die Tränen in den Augen. Sie hatte sich so sehr auf das Fest gefreut und jetzt war sie nass und klebrig. Sie setzte sich auf einen Stein, der etwas entfernt von dem Fest war. Plötzlich sah sie, wie jemand humpelnd, aber dennoch schnell auf sie zu kam.

„Mum? Was ist denn?“, fragte Ekaron und schaute Vanessa nach. „Ich wollte nur fragen, was du getan hast.“, sagte die Königin. Ekaron verstand nicht: „Was meinst du?“. Königin Isabel lächelte: „Ich meine die Sache mit Simon. Wie hast du es geschafft, dass er nicht kommt?“ Ekaron versuchte zu grinsen: „Ich hab ihm eine Nachricht geschrieben, in der stand, dass das Fest woanders stattfindet und zwar am anderen Ende des Planeten. Da ist er wohl hingefahren.“ Die Königin klopfte ihrem Sohn auf die Schulter und lachte. „Hast du eigentlich schon den Zauberrat kennengelernt?“ Ekaron schüttelte den Kopf und schaute sich weiter um. Vanessa hatte er vergessen. Stattdessen suchte er die Wiese nach dem Zauberrat ab. „Ich kann keinen Zauberer vom Rat sehen!“, sagte er. „Nicht schlimm! Sie gehen über die Wiese und begrüßen jeden einzeln. Du bist bestimmt der letzte, damit sie noch ein bisschen mit dir plaudern können. Jetzt entschuldige mich, im Gegensatz zu dir, habe ich noch nicht alle begrüßt.“

Vanessa versuchte zu erkennen, wer da auf sie zu kam. Doch es gelang ihr nicht. Sie sah erst, wer es war, als sie auch feststellte, dass es sich nicht um eine Person handelte, sondern um fünf. „Der hohe Zauberrat…“, sagte sie erschrocken und verbeugte sich tief. Einer der alten Zauberer lachte: „Du kannst dich ja schön verbeugen! Das Mädchen von gerade eben hatte große Schwierigkeiten damit, stehen zu bleiben.“ Vanessa wusste sofort um wen es sich handeln musste. Die Zauberer redeten bestimmt von Emma. „Spaß bei Seite. Wir wollten nur einen schönen Tag wünschen.“, sagte ein Anderer und drehte sich gleich wieder um. Die anderen Vier folgten ihm. Der Zauberer, der Vanessa für ihre Verbeugung gelobt hatte, drehte sich noch einmal zu Vanessa um. „Ich habe gehört, dass man in Kartev* nie mit nur einem Outfit auf einen Ball geht.“ Er zwinkerte Vanessa zu, die nun breit grinste und ihre Tasche aufmachte.

Ekaron hatte sich zu Bill und Leon gestellt und einen Drink mit ihnen getrunken. „Du hast Nerven!“, sagte Leon und blickte Ekaron an. Dieser fragte völlig verwirrt: „Was meinst du damit?“ „Naja, ich glaube, du solltest, statt hier so rumzustehen, zu Vanessa gehen und dich entschuldigen!“ Ekaron lies sein Glas vor Schreck fallen: „Stimmt!“ Er wollte sich sofort auf den Weg machen, um seine Freundin zu suchen, doch da kamen fünf Zauberer angehumpelt. „Prinz Ekaron, da seid ihr ja.“ Ekaron setzte ein künstliches Lächeln auf, suchte Vanessa aber dennoch mit den Augen. Leon stupste ihn an und deutete auf ein Mädchen, das die Festwiese soeben betrat. Es war Vanessa. Sie stolzierte in einem neuen Kleid zu Emma und Kate hinüber.

„Hey, schönes Kleid! Woher hast du das?“, fragte Emma. Vanessa antwortete. „Jemand hat mich daran erinnert, dass ich ein Ersatzkleid in meiner Tasche hatte und er hat mir erzählt, wie peinlich deine Verbeugung war, Emma.“ Die drei Mädchen grinsten. „Haben euch die Jungs noch nicht nach einem Tanz gefragt?“, fragte Vanessa dann. Kate schaute düster zu Leon hinüber: „Sieht das so aus?“ Kate tanzte sehr gern und das wusste Leon, doch er war der Meinung nicht tanzen zu können.

*= Vanessa ist dort zuhause: Prinzessin Vanessa von Kartev

Ein Kommentar zu “Der Zauberrat

  1. EIne sehr gelungene Episode, sie hat von allem etwas. Sie beginnt mit einer witzigen Situation (Zusammenstoß mit dem Kellner) und endet spannend….

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