Der Albtraum beginnt

Kapitel 6, Marendie

Schweißgebadet schreckte ich hoch. Dieses Erlebnis… jetzt verfolgte es mich sogar in meinen Träumen! Für alle Realisten, ja es ist passiert! Wirklich, echt, real passiert! Ich wusste ja selbst nicht genau wie, aber wie sollte ich denn auch, wenn alles so unwirklich schien. Unwirklich, so nannte ich es! Die anderen behaupteten, es sei völliger Humbug… Quatsch, es sei verrückt. Ich sei verrückt. Doch ich hatte mir das nicht eingebildet oder gar ausgedacht! Ich war nicht verrückt! Wütend, verwirrt und traurig, ja, aber nicht verrückt!

Verschlafen trottete ich die Holztreppe vom Dachboden herunter. Ich wartete auf ein; Morgenmuffin, ich musste dich ja gar nicht wecken. Von mir aus hätte es auch etwas anderes sein können, dass war nur das, was Opa gesagt hätte… Stille! Den gestrigen Streit hatte ich schon fast wieder vergessen. Das lag unter anderem auch daran, dass ich es nicht gewohnt war, so früh zu frühstücken, um nicht zu spät zur Schule zu kommen. Nach meiner Morgendlichen Badtour, ging ich in die Küche. Sie war leer. Keine Menschen, kein gedeckter Tisch… im Gegenteil! Das einzige, das ich auf dem Esstisch fand, war ein Zettel mit einer Nachricht, die ganz offensichtlich an mich war. Also nahm ich den Zettel in die Hand und… Oh, nein! Was da auf dem Zettel stand? Nichts weniger schockierendes als das:

Liebe Mara,
wir mussten noch in der Nacht zu einer neuen Geschäftsreise aufbrechen. In ungefähr 3 Monaten, sind wir wieder da. Solange passt deine Nanny auf dich auf. Sie sollte ungefähr dann kommen, wenn du diese Nachricht liest. Viel Spaß in der Schule.
Gruß, Mama und Papa
P.s: Unser Küchenmädchen ist Krank, aber wir haben dir Geld hingelegt und schicken dir regelmäßig Nachschub

Kurz bevor ich aus Wut irgendetwas auseinander nehmen konnte, klingelte es. Ich ahnte fürchterliches. Dennoch öffnete ich die Tür. „Maja!“, schrie eine mir vertraute Stimme. Es lief mir kalt den Rücken herunter. Nun wurde mir klar, dass der Albtraum begonnen hatte.

„Mara! Ich heiße Mara!“, grummelte ich und öffnete die Tür weiter, damit Nanny Nini mitsamt ihren drei riesigen Koffern herein kommen konnte. Sie hatte sich überhaupt nicht verändert. Klein, schmächtig und die rotstichigen Haare zu einem schlampigen Dud geknotet. Mir kam es vor, als wäre ich wieder sechs Jahre alt und sie würde mir gerade erklären, dass es gefährlich sei, Messe und Gabel zu benutzen und das es viel Fingerspitzengefühl verlange… „So, du bist wirklich gewachsen! Damals warst du noch so ein kleiner Knirps…“ „Frühstück!“, unterbrach ich die planlose Frau und stapfte zurück in die Küche. Ich hörte nur, wie Nanny Nini hektisch die Tür schloss und mir nach watschelte. In der Küche angelangt, legte sie vorsichtig eine Tüte vom Bäcker auf den Tisch und verschwand dann im Wohnzimmer. Ich glaube, sie wollte eine Schere oder ähnliches holen, um die ach so gefährliche Tüte aufzuschneiden, doch ich war hungrig und hatte keine Zeit. Also riss ich die rote Papiertüte ohne Rücksicht auf Verluste auf…

Ich muss glaube ich nicht unbedingt erklären, wieso ich mich auf den Inhalt der Tüte gefreut hatte, doch jetzt da sie offen war, wich diese Freude komplett. Warum? Ganz einfach, ich, als Vegetarierin, hatte nicht das Verlangen nach einem mit Schinken belegten Brötchen. Im Gegenteil! Ein genervter Blick auf die Uhr verriet mir, dass ich meinen Bus verpasst hatte. Kein Wunder… naja, ich rannte in das mir zugeteilte Gästezimmer, schnappte mir die bereitstehenden Schulsachen und war schon aus der Tür. Auf dem Weg zur Schule grübelte ich darüber, was effektiver war. Eine Liste mit meinen Vorzügen und Gewohnheiten oder ein Gespräch mit der Verrückten. Ich konnte mich nicht entscheiden, doch meine Schule war auf der anderen Seite der Stadt, den einzigen Bus hatte ich verpasst und musste somit laufen. Das hieß, genug Zeit, um über dieses und andere Probleme nachzudenken.

Da ich den kompletten Weg gerannt war, befand ich mich bereits 20 Minuten später an dem vertrauten Horrorhaus – der Schule. Ich traute mich nicht das Gelände zu betreten, denn auf einmal kamen Erinnerungen in mir hoch, die ich krampfhaft versucht hatte zu unterdrücken. Bilder, streiften an meinem inneren Auge vorbei, Worte der anderen kamen mir in den Sinn, ich spürte Tränen auf meinen Wangen… damals habe ich mir geschworen, nie wieder in dieses Gebäude zu gehen. Jetzt hatte ich wohl keine andere Wahl mehr. Ich atmete einmal tief durch und setzte mich dann in Bewegung. Mit geschlossenen Augen betrat ich den Schulhof…

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