Neugierde

Kapitel 2, Zeitquälerei

Auf der Autofahrt sprach keiner mehr ein Wort. Ich hatte vorne neben Gabe Platz genommen und musterte Krissy durch den Rückspiegel sehr genau. Zumindest anfangs, denn außer zu lächeln, tat sie auf der gesamten Fahrt rein gar nichts.
Einerseits war diese Tatsache irgendwie gruselig und andererseits hatte ich viel besseres zu tun, als mich über die Grimassen anderer aufzuregen. Ich sollte lieber darüber nachdenken, wie all das zusammenpasste.
Das wiederum war leichter gesagt, als getan, denn ich sah nirgends einen Zusammenhang. Irgendwo musste es doch aber einen geben, sonst wüsste Krissy nichts mit Simikolon anzufangen wissen oder sie würde dort einfach gar nicht erst hingebracht werden!
Je länger ich darüber nachdachte, desto merkwürdiger kam mir die Situation vor. Ich meine, wie wahrscheinlich war es bitte, dass ausgerechnet Krissy, die Freundin der Schwester eines Mitgliedes, ausgewählt wurde, um…
In diesem Moment fiel es mir auf. Um was eigentlich? Ging es hier um diese komische Zeitreisegeschichte oder irgendetwas anderes, von dem ich noch weniger Ahnung hatte? Wie viel wusste ich überhaupt? Anders gefragt: Wie viel wurde mir verschwiegen? Wofür war die ganze Organisation denn eigentlich da? War es so eine Art Spionageteam oder vielleicht der Treffpunkt von hochbegabten Mathematikern und Technikgenies, die an einem Weltverbesserungsplan tüftelten?
Noch ehe ich meinen Gedanken beenden konnte, kamen wir bei mir zuhause an. Gabe bat Krissy kurz im Auto zu warten, während er mich zur Tür brächte, um Oma zu begrüßen. Keiner von uns beiden machte sich die Mühe, die andere zu verabschieden. Ich stieg aus und sie blieb sitzen. Alles andere hätte mich auch gewundert.

Eine unerwartete Wendung

Kapitel 1, Zeitquälerei

Ich stand schlotternd auf dem Schulhof und hoffte inständig auf das Klingeln, das mich vor einer fiesen Sommererkältung bewahren würde. Neben mir stand Krissy, eingehüllt in eine dickere Strickjacke. Diese passte natürlich perfekt zu dem Rest ihres Outfits, das sie obendrein vor dem kalten Wind schützte, der uns umfing.
In meinem kurzärmligen Oberteil versuchte ich angestrengt nicht zu zittern. Auch meine Hose war für diesen Tag alles andere als praktisch gewählt. An beiden Knien zierten sie große Löcher, durch die der Wind meine Beine hinaufkroch. Normalerweise war ich gar nicht so eine Frostbeule, doch es schien, als wolle mich das Wetter heute eines Besseren belehren…
„Ich hab dir doch gesagt, dass du in diesem Aufzug frieren wirst, Alex.“, meinte Krissy vorwurfsvoll. Gerade so konnte ich mir ein entnervtes Stöhnen verkneifen und rollte zu meiner eigenen Überraschung noch nicht mal mit den Augen.
Vermutlich waren sie mir einfach im Kopf festgefroren! Ich antwortete mit etwas zittriger Stimme: „Ja, Mama!“ Mein Grinsen konnte ich daraufhin aber nicht verstecken. Sie allerdings gab nur ein verächtliches Schnauben von sich und drehte sich weg.
Krissy als meine Freundin zu bezeichnen, fiel mir etwas schwer. Aber sie war es wohl – irgendwie. Anderen Zuneigung oder ähnliches zu zeigen, war nicht so ihr Ding, solange sie kein spezifisches Anliegen hatte. Das war nur einer der Gründe dafür, dass sie nur mich hatte, was zugegebenermaßen auf Gegenseitigkeit beruhte.
Wir beide waren die Außenseiter in der gesamten Schule. Sie, weil alle (mich eingeschlossen) neidisch auf ihre Fähigkeiten waren: Egal womit Krissy begann – eine neue Sportart, Malen, Schauspielern oder das einfache Auswendiglernen von 12 Seiten langweiligster Physik – nach spätestens einer Woche beherrschte sie alles perfekt. So, als hätte sie noch nie etwas anderes getan. Die Dinge, die sie schon konnte, litten nicht unter dem neuen Talent.