14. Dezember

14. Türchen, Weihnachtskalender

Erst jetzt kam Will dazu, sich umzusehen. Er, sein Bruder, Prinz Franz, die sieben Zwerge und Rotkäppchen waren gefangen in einem düsteren Raum ohne Fenster. Es gab nur eine vergitterte Tür, durch die man in das Zimmer sehen konnte, in welchem sie noch bis vor einer Weile gesessen hatten. Wenn man von hier aus gerade in diesen schaute, viel der Blick auf den großen Kamin. Will wurde so schnell so viel klar, dass sich ein leichtes Schwindelgefühl in ihm ausbreitete.

13. Dezember

13. Türchen, Weihnachtskalender

In der Hütte stieg den zehn ein süßlicher Geruch entgegen. Will war der einzige, der misstrauisch die Nase rümpfte. Alle anderen sahen sich fasziniert um. Sie standen in einem kleinen Raum, von dem ein paar Türen abgingen. In einer Ecke führte eine schmale Treppe ins Obergeschoss. In eine Wand war ein geräumiger Kamin eingelassen, den man mit einem stabil wirkenden Gitter verschließen konnte.

12. Dezember

12. Türchen, Weihnachtskalender

Nach einer Weile bemerkte Prinz Franz, dass es zu dämmern begann. Er schlug vor, alle anwesenden sollten gemeinsam nach einem Unterschlupf für die Nacht suchen. Die Idee wurde ohne langes Zögern angenommen, denn niemand wollte auf kaltem Waldboden schlafen. Also schlug die Gruppe eine Richtung ein. Wo genau sie einen Schlafplatz finden konnten, wusste niemand so genau. Entweder man kannte sich im Wald nicht aus oder man war ein Zwerg und nicht an Dörfern oder ähnlichem interessiert. Dementsprechend planlos, wanderten die zwölf zwischen unzähligen Bäumen hindurch, die im Endeffekt alle gleich aussahen.

11. Dezember

11. Türchen, Weihnachtskalender

Ein lauter Knall ließ Prinz Franz und die Zwillinge zusammenfahren. Es kam mitten aus dem Wald. „Es ist nicht Jagdsaison! Hier dürfte niemand schließen!“, erklärte der Prinz. „Wir müssen nachsehen, was passiert ist!“, Will ging während des Sprechens schon in die Richtung, aus der der Knall gekommen zu sein schien und ließ den anderen somit keine Wahl, als ihm zu folgen.

10. Dezember

10. Türchen, Weihnachtskalender

Es war einmal eine junge Prinzessin, die hatte Haut, so weiß wie Schnee, Lippen, so rot wie Blut und Haare, so schwarz wie Ebenholz. Nach dem Tod ihrer Mutter, heiratete ihr Vater eine neue Frau. Kurz danach starb auch er, sodass die Prinzessin von da an mit ihrer Stiefmutter zusammenlebte. Diese besaß einen magischen Spiegel, der jede Frage beantworten konnte, die man ihm stellte. Die neue Königin interessierte jedoch nur eins: Wer die Schönste im ganzen Land war!
Der Spiegel antwortete jedes Mal, es sei ihre Stieftochter, die Prinzessin. Um wieder die Schönste zu sein, ließ die Königin die Prinzessin davon jagen und schickte einen Jäger hinter ihr her, der sie töten sollte.

9. Dezember

9. Türchen, Weihnachtskalender

Die beiden Prinzen und Jack sahen sich gegenseitig ängstlich an. Will hingegen dachte nach: „Rösten? Das würde bedeuten, Ihr seid… oh!“ „Wir sind vermutlich kurz davor zu sterben und mein Brüderchen denkt über die Wortwahl der bösen Fee nach!“, jammerte Jack verzweifelt. Will schüttelte heftig den Kopf und stand auf. Die schwarz gekleidete Frau beobachtete ihn genau. „Ihr sagtet nicht, dass Ihr uns töten wollt, sondern rösten! Demzufolge seid ihr ein Drache!“, sagte Will selbstbewusst. Jack sprang ebenfalls auf die Beine: „DU meinst, wie in diesem Film?“ „In was?“, fragten die Prinzen gleichzeitig. Die Brüder winkten ab.

8. Dezember

8. Türchen, Weihnachtskalender

Es dauerte tatsächlich nur eine Stunde, bis die vier ankamen. Schon von weitem waren hohe Türme zu sehen, an deren Außenwand sich Ranken emporschlängelten. Prinz Phillipp schien jedoch nicht im Geringsten so begeistert, wie man wahrscheinlich vermuten würde. Er trottete stumm neben den anderen her und warf immer wieder sehnsüchtige Blicke auf Will. Dieser ignorierte es, so gut es ihm möglich war.
Jack und der andere Prinz schienen davon aber gar nichts mitzubekommen. Sie unterhielten sich über Sport. Jack berichtete stolz von der Fußballmannschaft, der er angehörte, musste dafür aber erstmal erklären, was Fußball überhaupt war. Prinz Franz hörte ihm aufmerksam zu. Er zeigte ehrliches Interesse an dieser – Zitat – höchst merkwürdigen, jedoch sehr amüsant klingenden Art, sich die Zeit zu vertreiben. Anschließend zählte er selbst einige Hobbys auf. Darunter fielen beispielsweise die Worte Bogenschießen, Jagen und Schwertkampf. Jack war entzückt.

6. Dezember

6. Türchen, Weihnachtskalender

Es war ungewöhnlich still, als Jack die Wohnung betrat. Gut, es war oft still, wenn er das tat, aber heute war es zu still! Totenstill! Er legte seine Sachen im Flur ab und ging danach sofort ins Wohnzimmer. Leer! Ebenso die Küche und das Bad und Wills Zimmer. Vorsichtshalber sah Jack noch einmal in der Abstellkammer nach, doch auch da war sein Bruder nicht anzutreffen. Er war also nicht nach Hause gegangen…

5. Dezember

5. Türchen, Weihnachtskalender

Es klingelt Sturm. „Henry, machst du mal die Tür auf, bitte?“, höre ich meine Stiefmutter aus der Küche rufen. Ich stöhne und werfe einen Blick auf die Uhr. Gerade mal um zehn?! Habe ich etwa eine Verabredung mit jemandem? Ich schaue zum Kalender, der an der Wand neben einigen Familienbildern hängt. Nein, für heute steht da rein gar nichts. Also schlurfe ich halbwegs gespannt zur Tür. Ist am Ende eh nur wieder einer der Nachbarn, die sich immer über irgendwas bescheren wollen!
Doch es kommt anders! Als ich sie öffne, stürmt mir Will entgegen. Im Schlepptau hat er Jack. „Die Zwillinge Grimm! Was verschafft mir die Ehre?“, frage ich. Meine Laune bessert sich schon beim bloßen Anblick der beiden. Will ist augenscheinlich ziemlich aus der Puste. „Es gibt einen Notfall!“, keucht er. Jack steht nur daneben und zuckt – kein bisschen außer Atem – mit den Schultern. Ich nicke nur knapp. Das letzte Mal, als meine Freunde so hier herein marschiert kamen, hatten sie den Postboten dermaßen verärgert, dass er damit gedroht hatte, ihre Geburtstagsgeschenke nicht abzuliefern.
„Ihr zieht erstmal eure Jacken und Schuhe aus!“, befehle ich und bemühe mich nicht mal darum, das Seufzen zu unterdrücken, „Die Schreckschraube hat gerade erst im Flur gewischt und ihr wisst ja, wie Dad ist, seit die Olle da ist!“ Die Jungs gehorchen. Brav stellen sie die Schuhe an die Wand und hängen ihre Mäntel an ihren Hacken. Ähm, ja! Die zwei sind so oft hier, dass praktisch immer ein Hacken an der Garderobe für sie frei ist.