Unvorhergesehene Wendung

Kapitel 14, Marendie

Zu meiner eigenen Überraschung sah man mir am nächsten Tag weder meine Müdigkeit, noch meinen Hunger an. Nur meine langen, braunen Haare hingen mir stränig ins Gesicht. Ich warf einen Blick auf die Digitaluhr, die unter anderem auch das Datum und den Wochentag anzeigte. Als ich las, dass heute Samstag war, vollführte ich einen kleinen Hüpfer. Dass mein erster Schultag am Mittwoch gewesen war, hatte ich gar nicht mehr gewusst.
Ich wusch meine Haare sehr gründlich und verbrachte noch eine Weile im Bad. Dann ging ich zurück in mein Zimmer. Dort bemerkte ich erst, dass ich noch immer in meinem Schlafanzug steckte. Schnell schlüpfte ich in meine schwarze Jeans und zog mir dazu mein Lieblingsshirt an. Es war ebenfalls schwarz und in der Mitte brangte einen Stern aus Glitzersteinen. Nachdem meine Haare getrocknet waren, setzte ich meine Kopfhörer auf, steckte meinen MP3-Player an und hörte Musik. Eigentlich wollte ich mich damit ablenken, doch es half nicht und so liefen sowohl alte Songs, als auch neue Hits an mir vorbei.

Bekannte

Kapitel 13, Marendie

„Was macht ihr denn hier?“, Leopold war ehrlich überrascht. Er schaute Benjamin und Clara verwirrt an. Die beiden standen nun neben mir und erwiderten seinen Blick. Allem Anschein nach war es jedoch keine schöne Überraschung, denn mit jeder Sekunde verfinsterten sich die Mienen der drei. Plötzlich fiel mir etwas beunruhigendes auf. Hatte ich mich nicht gestern noch gefragt, ob ich Leopolds Nase an irgendjemand schon mal gesehen hatte? Jetzt wusste ich an wem. Um genau zu sein, waren es zwei Jemande…
„Ihr seid doch nicht etwa Geschwister, oder?“, fragte ich diesmal ganz bewusst. Wenn ich diese Frage zurückgehalten hätte, wäre sie mir eh heraus gerutscht, also stellte ich sie lieber gleich. „Wie kommst du denn darauf?“, Claras Stimme triefte vor Ironie. Also war es wahr, aber wie konnte das bitte sein? Waren meine neuen Freunde dann etwa auch solche… solche Maki-Dingsda, wie Leopold? Kannten die beiden Tüllkrönchen? Wieso wussten sie nicht voneinander, das sie hier waren?
In meinem Kopf sprangen mindestens eine Millionen Fragen wild durcheinander, als Leopold plötzlich wütend sagte: „Ich nehme Mara mit!“ Erneut griff er nach meinem Arm und auch dieses mal entriss ich ihn ihm sogleich wieder. „Ihr glaubt doch nicht etwa, dass ich einfach diesen ganzen Müll glaube, den ihr mir auftischen wollt?! Ich will eine Erklärung!“, meinte ich. Clara und Benjamin tauschten still Blicke aus, dann nickten sie. „Das könnt ihr vergessen!“, rief Leopold genervt, „Ich wurde doch nicht von dem Königshaus von Fatuhr hierher geschickt um unsere Verwandtschaftsverhältnisse zu erklären! Ich bin auf einer wichtigen Mission und ihr werdet mir das nicht vermasseln!“ „Mara, ist unsere Mission!“, erwiderte Benjamin finster.

Freunde

Kapitel 12, Marendie

Leopold schloss für einen Moment die Augen. Als er sie wieder öffnete, seufzte er enttäuscht. Vermutlich hatte er gehofft, alles nur geträumt zu haben und beim zweiten Hinsehen keine eingebildete Prinzessin und ein… ähm… anderes Mädchen vor sich zu haben. Weil das nicht der Fall war, ging er auf einen großen Stapel Kisten zu, holte drei davon herunter und stellte sie mit relativ viel Abstand voneinander auf den Boden. „Setzen“, befahl er barsch. Die Kisten stanken nach altem Fisch. Tüllkrönchen rümpfte empört die Nase. Ich setzte mich einfach hin. Jetzt raffte auch das Prinzesschen ihr Kleid. Sie warf mir herabstufende Blicke zu: „Also, wer ist diese Person?“ Leopold hatte sich ebenfalls auf einer Kiste niedergelassen. Er sah immer noch perfekt aus. Ich versuchte es auszublenden, aber die Versuche waren nicht von Erfolg gekrönt. Eher im Gegenteil; Plötzlich fielen mir Dinge an Leopold auf, die ich noch gar nicht bemerkt hatte. Seine makellose Nase beispielsweise. Moment mal, die Nase erinnerte mich an irgendjemanden. Aber an wen nur?

Problem-Lehrer

Kapitel 10, Marendie

Ein schrilles, erbarmungsloses Klingeln weckte mich aus meinem traumlosen Schlaf. Es war mein Wecker. Verschlafen rieb ich mir übers Gesicht. Ich saß (oder besser gesagt, ich lag) an meinem Schreibtisch. Gestern Abend hatte ich noch stundenlang dagesessen und über Leopold gegrübelt. Anscheinend war ich während dessen eingeschlafen…

Nach einer kurzen Pause, begann der Wecker wieder zu klingeln. Ich schlurfte zu dem kleinen Nachttisch neben dem Bett und schlug auf den Ausschalter. Das schrille Geräusch verstummte. Um nicht zweimal den selben Fehler zu machen, beeilte ich mich heute im Bad. Als ich in die Küche kam, lächelte mich Nanny Nini müde an. „Morgen“, nuschelte ich, nicht weniger unausgeschlafen. „Ich schreibe ihnen heute eine Liste mit allen wichtigen Informationen. Ganz oben wird stehen, dass ich Vegetarier bin!“, schnauzte ich, als ich die belegten Brote sah. Sauer stand ich auf und holte meine Tasche aus meinem Zimmer, in die ich bereits gestern Abend alle Schulsachen gestopft hatte. „Ich komme heute wieder später, weil ich mit Freunden ins Kino gehe…“, rief ich noch, dann plautzte die Haustür hinter mir zu.

Eindeutig zu viele Jungs für einen Tag

Kapitel 8, Marendie

Was ich nach der Schule tat? Essen natürlich. Letztendlich war es zwar nur ein Salat aus einem kleinen Eckladen und ein trockenes Brötchen vom Bäcker, aber wenigstens etwas. Mit Brötchen und Salat setzte ich mich in einen Park. Genauer, auf eine niedrige Steinmauer, die sich über eine große, grüne Wiese schlängelte. Bäume gab es keine. In unmittelbarer Nähe war eine steinerne Treppe, deren Geländer mich stark an einen Fahrradständer erinnerte. Dort standen ein paar Jungs, allesamt mit Skateboard und schwarzem Gangster-Pulli. Dank reichlicher Erfahrung, wusste ich, dass solche Typen nie von der guten Sorte waren. Solche Cliquen stahlen alten Damen die Handtaschen und baggerten Mädchen an, die alleine oder in Gruppen irgendwo herumhockten. Ach, Mist! Ich saß ja alleine hier… Ich meine, meine Erfahrung hatte ich zwar nur aus zahlreichen Filmen, aber irgendwas war da doch immer dran, oder?

Der Albtraum beginnt

Kapitel 6, Marendie

Schweißgebadet schreckte ich hoch. Dieses Erlebnis… jetzt verfolgte es mich sogar in meinen Träumen! Für alle Realisten, ja es ist passiert! Wirklich, echt, real passiert! Ich wusste ja selbst nicht genau wie, aber wie sollte ich denn auch, wenn alles so unwirklich schien. Unwirklich, so nannte ich es! Die anderen behaupteten, es sei völliger Humbug… Quatsch, es sei verrückt. Ich sei verrückt. Doch ich hatte mir das nicht eingebildet oder gar ausgedacht! Ich war nicht verrückt! Wütend, verwirrt und traurig, ja, aber nicht verrückt!