Auf heißer Spur

Allgemein

Mia vernahm ein klicken auf der anderen Seite der Tür. Langsam kamen ihr Zweifel. War es richtig gewesen die Diebe zu verfolgen? Ihr Herz pochte bis zum Hals. Plötzlich ertönte ein äußerst peinlicher Handyklingelton und zu allem Überfluss schien er direkt aus Mias Hosentasche zu kommen. Schnell drückte sie den Anrufer weg und sprang mit einem Satz hinter eine der vermoderten Holzstatuen. Eine große Tür wurde von innen aufgerissen. Einer der beiden Diebe schaute sich misstrauisch im Flur der verlassenen Villa um. Mia kauerte hinter der Statue. Sie hielt den Atem an. Sie hörte wie der Dieb auf sie zu kam „Ist da jemand?“, rief er mit rauer Stimme. Mia machte sich noch kleiner. Gleich würde es aus sein. Vorbei mit der “Auf heißer Spur“, der Zeitung für die sie sich in solche Gefahr gebracht hatte. Sie wollte doch nur ein Interview mit den beiden Herren machen, aber als sie gesehen hatte, wie der größere von beiden das Geld aus der offenen Kasse des Cafés genommen hatte, konnte sie nicht anders. Sie hatte die Diebe bis zur alten Villa am Waldrand verfolgt. Und das hatte sie jetzt davon. Auf einmal kam Mia eine Idee. Es war riskant, aber es müsste eigentlich klappen. Eigentlich…

Mia sprang auf und sah dem Dieb direkt in die Augen. Dieser stolperte ein paar Schritte zurück vor Schreck und genau in diesem Moment wurde Mia klar, dass es das wohl dümmste gewesen war, was sie hätte tun können. Trotzdem lies sie sich die Gelegenheit nicht entgehen. Mia rannte los. Ihre Beine zitterten, als wären sie aus Pudding. Sie wollte zur Eingangstür, doch diese klemmte. Der zweite Dieb kam aus dem Zimmer gestürmt. Knarrend lies sich die schwere Tür nun öffnen und Mia stolperte ins Freie. „Was soll das?“, schrie der zweite Dieb seinen Kumpanen an, „Steh nicht so da! Los, fang sie ein!“ Im rennen wählte Mia eine Nummer. „Hallo? Ist da die Polizei?“, schrie sie panisch in den Hörer. „Ja! Wer sind sie? Wo befinden sie sich und was wollen sie melden?“, fragte eine Frauenstimme höflich. Hektisch drehte Mia sich um. Die Diebe waren ihr dicht auf den Fersen. „Ich heiße Mia! Sie müssen mir helfen! Ich habe zwei Diebe gefunden, oder besser, sie haben mich gefunden! Ich bin an der verlassenen Waldvilla!“ „Gleich haben wir dich!“, brüllte der erste Dieb und stürzte sich auf Mia. Kreischend schlug sie auf dem harten Boden auf. Das Handy viel ihr aus der Hand. Die beiden Diebe lachten markerschütternd. „Gut gemacht, Ralf! Bring sie rein!“, sagte der zweite Dieb grinsend. Ralf nickte: „Ist klar, Karl!“ Mia hörte wie die Frauenstimme an ihrem Handy erschrocken fragte: „Ralf und Karl? Etwa das gesuchte Gaunerduo? Hallo? Bist du noch dran? Hast du…“ Karl trat das Handy kaputt. „Das war neu!“, schrie Mia und versuchte sich aus Ralfs Klammergriff zu befreien. Ralf und Karl lachten: „Das sind deine größten Sorgen?“ Wieder lachten die Diebe schaurig. Aber das zurecht, denn in so einer Lage, sollte man nicht an sein Handy denken. Nein, Mia hatte im Moment ganz andere Probleme…

Wieder in der Villa wurde Mia an einen Stuhl gefesselt. „Was machen wir jetzt mit dieser Göre?“, überlegte Karl laut. Er war auf jeden Fall der hellere von beiden. Ralf fragte mit funkeln in den Augen: „Soll ich sie entsorgen? Du weißt schon, so wie diese nervige Lusiana!“ Mia zuckte zusammen. „Lusiana?“ Lusiana war auch eine Redaktourin bei der “Auf heißer Spur“ gewesen bis sie vor ein paar Tagen verschwunden war. „Habt ihr ihr etwas angetan?“ Die Diebe und wohl auch Entführer grinsten fies: „Kommt darauf an, was du unter etwas antun verstehst. Wenn gefesselt in einen Fluss werfen für dich unter diese Kategorie fällt, dann…“ Mia begann zu weinen und gleichzeitig stieg Wut in ihr auf. „Ihr habt sie umge… umgebra…“ Sie konnte es nicht aussprechen. „Getötet? Ja klar!“, Ralf sagte es, als wäre es das normalste auf der Welt, jemanden zu töten. Am liebsten hätte Mia die Ganoven angeschrien, doch dazu kam sie nicht. Plötzlich ertönten draußen Bremsgeräusche. Durch ein Megafon sprach ein Mann: „Hier spricht die Polizei! Kommen sie mit erhobenen Händen heraus! Das Gebäude ist umstellt!“ „So ein Mist! Du hast uns das eingebrockt, oder?“, Ralf schrie Mia ins Gesicht und griff nach einem Küchenmesser, dass auf einem Tisch in der Nähe lag. Mia schrie laut auf, Ralf hob das Messer, doch Karl hielt ihn fest. „Komm runter! Wenn du die Mistbiene jetzt schon abstichst, kommen wir hier wirklich nicht raus! Ich habe einen Plan…“„Kommen sie aus dem Gebäude! Wir wissen das sie da drin sind! Es gibt kein Entkommen!“, ertönte die Stimme das Polizisten erneut.

Ralf öffnete die Tür. Hinter ihm stand Karl, der Mia vor sich her schob. An ihren Hals hielt er die scharfe Messerklinge. Inzwischen war es mitten in der Nacht. Ein paar kaputte Lampen flackerten unheimlich und erhellten die steinernen Treppen vor der Eingangstür. Vor dem schiefen Gartenzaun standen mindestens dreißig Polizisten, die ihre geladenen Waffen auf Ralf, Karl und Mia gerichtet hatten. Karl rief laut in die Dunkelheit hinein: „Pistolen runter, sonst verliert die kleine hier ihr Leben!“ Die Polizisten schauten sich an. Einer von ihnen hatte das Megafon in der Hand: „Lassen sie das Mädchen gehen!“ „Natürlich lassen wir sie gehen… wenn sie uns einen vollgetankten Sportwagen samt Autoschlüssel und Flugtickets nach Hawaii hier herstellen.“ Karl lächelte. Ralf begann zu lachen wie ein Phycho. Er nahm Karl das Küchenmesser aus den Händen und warf es in Richtung Polizeiautos und Polizisten. Dabei rief er laut und schrill: „Kusch, kusch ihr Vögel!“ Dann ging er Mia an die Gurgel. Er würgte sie und lachte wie ein Irrer. Karl drückte seinen Kumpanen weg. Ralf taumelte wie ein Betrunkener durch den Vorgarten der Villa.

Mia hörte nur einen markerschütternden Knall. Ein “Peng“, der ihr das Blut in den Adern gefrieren lies. Nun ging alles sehr schnell. Blut spritzte. Ralf verdrehte die Augen und sackte ein paar Sekunden später zusammen. Karl schleuderte Mias Kopf mit voller Wucht gegen das verrostete Klingelschild. Sie hörte nur noch ihren eigenen Schmerzensschrei und sah verschwommen, wie Karl zu Ralfs leblosem Körper stolperte und daraufhin viele Polizisten von allen Seiten herbei gestürmt kamen. Dann wurde es schwarz.

Mia schlug die Augen auf. Sie lehnte an einem Baum. Um sie herum war es dunkel, doch sie konnte den Umriss der alten Villa erkennen. Mia schaute sich um. Sie rieb sich ungläubig in den Augen herum. Das konnte doch nicht sein! Da waren weder Polizisten, noch ihre Autos. Waren alle weggefahren und hatten sie vergessen? Auf einmal wurde es um Mia noch schwärzer. Die Villa und der Baum waren verschwunden. Das Mädchen hockte in einer schwarzen Leere. Verwundert und ängstlich blickte Mia in diese. Da! Da war etwas. Eine Bewegung oder… Mia wusste nicht was es war. Einige Sekunden lang überlegte sie. Hatte sie denn gar nichts aus dem ganzen gelernt? Doch sie war zu neugierig und so hievte Mia sich auf ihre wackligen Beinen und ging los, in die Richtung, aus der diese Bewegung oder was es auch immer sein mochte, gekommen war. Sie hielt erneut inne. „Du bist verrückt! Lernst du denn wirklich nie was? Das hast du dich doch schon mal gefragt! Egal! Du muss wissen, was das ist! Oder doch nicht?“ So ging es in ihrem Kopf hin und her. Doch nach einigen weiteren Augenblicken setzte sie sich wieder in Bewegung. Anscheinend war aber genau diese Entscheidung die falsche gewesen. Warum? Weil das, was Mia als Bewegung war genommen hatte, in Wirklichkeit schweres und schmerzvolles atmen war. Es war genaugenommen kein wirkliches atmen, eher ein röcheln! Es kam von einer am Boden liegenden Person. Diese Person war niemand anders als Ralf. Mia zuckte zusammen. Ralf lag da, die Augen weit aufgerissen, eine bleiche Haut und eine Kugel in der Schulter. Überall war massenhaft Blut. Plötzlich zuckte Ralfs Hand. Mia lief es kalt den Rücken herunter. Was passierte hier? War Ralf nicht schon tot? Er hatte aufgehört zu röcheln! Es war still! Da war kein verstörendes Geräusch mehr zu hören… Ralf drehte sich mit dem Kopf zu Mia und öffnete den Mund. „Hallo? Kleine?“, die Stimme kam von weit weg. Mia blinzelte…

… und öffnete die Augen. „Sie wacht auf… ein Glück! Hey…“ Mia saß gegen ein Polizeiauto gelehnt. Auf der Wiese gegenüber lag der reglose Ralf. In einem der vielen Autos saß Karl und anscheinend wusste er nicht, ob er sich über Mia ärgern sollte oder ob er sich Sorgen um seinen Kumpel machen sollte. Mias Kopf brummte. „Keine Sorge, der RTW kommt gleich und schaut sich die Platzwunde an deinem Kopf an.“, sagte eine Polizistin, „Verrätst du uns noch schnell deinen Namen?“ Mia nickte, ihr Kopf tat wirklich sehr weh: „Mia Wedens.“ „Ach, du hast bei uns in der Zentrale angerufen? Ich muss dir glaube ich nicht sagen, dass deine Taten sehr mutig waren, aber auch sehr gefährlich…“ Mia wollte wieder nicken, doch plötzlich sah sie etwas im Gras zucken. Wenn sie nicht alles täuschte, dann war das Ralfs Hand. Sie hatte recht. Ein junger Polizist, der mit dem Rücken zu ihm gestanden hatte, wich erschrocken zurück und richtete seine Pistole erneut auf Ralf. „Vorsicht!“ Ralf richtete sich langsam und hustend auf und krächzte laut: „Rache!“ Dann kippte er seitlich weg. Mia viel in Ohnmacht. War Ralf nun tot oder nicht?

Ein Piepsen und Surren weckte Mia. Sie blinzelte einem hellen Licht entgegen. Es war das Licht einer Krankenhauslampe. Sie lag in einem Bett. Daneben saßen ihre Eltern. „Mia, Schatz!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*