Ablenkungsmanöver

Kapitel 15, Quontos

Wir hockten noch immer im Gebüsch am Rand der Lichtung. Es war der beste Platz um die drei Höheren zu beobachten und sich gleichzeitig zu verstecken. Wie wir weiter vorgehen sollten, wussten wir nicht. Normalerweise hätte ich vorgeschlagen, dass sich jeder einen Höheren schnappt, aber ich wollte niemanden allein gegen den Riesen kämpfen lassen! Hätten wir an seiner Stelle nicht jemanden anderen bekommen können? Willi Arnlo zum Beispiel! Seine Kampftechnik war zwar makellos, aber selbst ein kleines Kind könnte ihn durchschauen! Es war, als würde er einem sagen, was er als nächstes tun wollte!

Nach einigen Minuten absoluter Stille, rührte sich etwas bei den Höheren. „Habt ihr das gehört? Da war was!“, meinte Carl aufmerksam. Ich horchte auf. Tatsächlich, ein Rascheln! Es kam aus einem Busch schräg gegenüber. Carl steuerte darauf zu. Die beiden anderen hielten sich bereit. Ich wandt mich leise an Falk: „Ist da einer von uns?“ „Nein!“, wisperte er zurück, „Die Höheren hocken nicht auf einem Haufen, also tun wir das auch nicht!“ „Die anderen suchen sie?“, das war Robyn. Falk sah uns skeptisch an: „Ihr wart doch genau hinter mir, als wir das besprochen haben.“ Ich verzog verlegen mein Gesicht und Rob grinste schief. „Ja, natürlich!“ Sie hatte also auch nicht aufgepasst. Was wohl ihr Grund gewesen war? Vermutlich das Adrenalin oder… Nein! Themenwechsel! Sonst wäre meine momentane Konzentration dahin.
Angespannt versuchten wir an Milo und dem Riesen vorbei zu spähen, um auch einen Blick auf den Busch erhaschen zu können. Carl stand nun genau davor. Er zog einen Dolch aus seinem Gürtel und vergewisserte sich bei den anderen. Dann bog er mit einem Ruck die Zweige auseinander. Ich hatte die Luft angehalten. Dummerweise konnte ich nicht sehen, wer oder was im Gebüsch hockte, doch Carl ließ die Zweige schnell wieder los. „Gut gemacht, Spürnase!“, spottete Milo. Carl warf ihm einen vernichtenden Blick zu. Eindeutig ein Fehlalarm! Zu Glück! Wahrscheinlich nur ein Tier.
„Mach dir nichts draus! Liegt wahrscheinlich am warten!“, meinte Milo. Dabei schaffte er es gleichzeitig extrem gelangweilt und unfassbar arrogant zu klingen. Dann ließ er sich auf dem Boden nieder: „Diese Feiglinge könnten aber so langsam wirklich mal auftauchen!“ Ein zustimmendes Brummen von dem Riesen. „Es ist so still und öde!“, beklagte sich Milo weiter. Carl blickte stumm auf den Boden, doch plötzlich sah er auf. In seinen Augen funkelte etwas und er lächelte triumphierend. „Richtig! Es ist still! Ungewöhnlich still!“ Milo sprang auf die Beine. Ehe wir uns versahen, rief Carl: „Das gerade hat mich auf eine Idee gebracht! Durchsucht die Büsche hier! Ich wette ihr habt euch da versteckt!“ Letzteres war vermutlich direkt an uns gerichtet.

„Was sollen wir tun?“, fragte Falk um ein vielfaches leiser als zuvor. Die Höheren hatten zwar am anderen Ende der Lichtung angefangen, die Gebüsche nach uns ab zu klappern, aber nachzusehen, ob er leer war oder nicht, dauerte nicht lange. In spätestens einer Minute würden sie uns finden, wenn wir nichts unternahmen! „Das beste würde es sein, uns aufzuteilen!“, flüsterte ich, noch mitten im Denkprozess. Robyn saß am weitesten weg von den Höheren. Sie drehte sich um und suchte nach neuen Versteckmöglichkeiten. Es dauerte keine zehn Sekunden, da hatte sie etwas gefunden. Inzwischen waren die drei Höheren fast bei uns angelangt. Uns blieben schätzungsweise noch 15 Sekunden.
Kurzentschlossen griff Robyn nach einen Stein, der neben ihr auf dem Boden gelegen hatte. Falk und ich sahen sie warnend an. Zu sprechen, trauten wir uns nicht mehr. Doch es half nichts! Robyn holte aus und warf. Um ehrlich zu sein, hatte ich erwartet, dass sie einen unserer Gegner treffen wollte, aber dem war nicht so! Ihr Ziel war ein Baum, der hinter dem Busch stand, den Carl zuerst durchsucht hatte. Sofort drehten sie sich im Glaube um, uns entdeckt zu haben.

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