21. Dezember

21. Türchen, Weihnachtskalender

Glücklicherweise kannte Rina einen Teich ganz in der Nähe. Ein paar Minuten länger und Jack hätte den kleinen grünen Kerl erwürgt. Das oder er wäre von Rina mithilfe ihrer selbstgebauten Schleuder meilenweit in die Ferne befördert worden, denn er nervte sie extrem. Dauernd faselte er etwas vom Küssen und das er ein Prinz sei. Kaum zu glauben, dass ein willensstarkes Mädchen wie Rina normalerweise von einem Wolf gefressen werden würde, weil es jung, naiv und dumm war. In den Büchern wirkte sie so, aber stand man dann in Wirklichkeit vor ihr… naja… keine Spur von dem allen! Oder welches dummes, naives Mädchen schlägt einen Typen in einer dunkeln Seitengasse nieder und bestiehlt ihn?

Zu einem Mordversuch oder ähnlichem kam es aber zum Glück des Froschkönigs nie, denn am Teich angekommen, sprang er von Jacks Schultern direkt ins Wasser. „Um ein Vielfaches angenehmer, als ein enger, steiniger Brunnen!“, kommentierte er, „Eine holde Maid, wie Ihr wird doch bestimmt zu eine Abkühlung nicht nein sagen?!“ Er sah Rina breit grinsend an.
Sie holte schon tief für den Gegenschlag aus, da hörte Franz plötzlich etwas. „Da kommt jemand! Verstecken!“, rief er. Nun hörten es auch die anderen. Sie wuselten einen Moment lang wild durcheinander, bis Will auf ein paar Büsche nur wenige Meter weiter zeigte. „Da hin! Los!“, befahl er ungewohnt herrisch. Er war selbst etwas verwundert, dass niemand widersprach. Alle versteckten sich brav dort, wo er es ihnen zugeteilt hatte. Es kam nicht mal ein vielsagendes Augenrollen seines Bruders!
Gerade als der Letzte der vier hinter dem Gebüsch abgetaucht war, kam ein Mädchen zum Teich. Sie trug ein staubiges, zerlumptes Kleid. Trotz ihres etwas ungepflegten Erscheinungsbild war sie recht hübsch und ging aufrecht, wie ein stolzer Hirsch. Will kam sofort ein Gedanke. Er beugte sich in Richtung Teich. Dabei drückte er die anderen nach Hinten. Das Gebüsch war doch kleiner als es von außen gewirkt hatte!
„Das ist die kluge Bauerntochter!“, informierte Will die anderen drei. Die sahen ihn an und waren noch nicht mal mehr wirklich überrascht. Dennoch fragte Franz, woher er das wusste. Will deutete auf ein Fischernetz am anderen Ende des Ufers: „Sie versucht gerade das Rätsel des Königs zu lösen und das Netz ist ein Teil der Antwort!“
Die Vier beobachteten das Geschehen stumm. Die Bauerntochter setzte sich an das Ufer und hielt die Beine ins Wasser. Sie sah nachdenklich in die Ferne. „Lasst uns abhauen! Wir müssen weiter, sonst kriegen wir echt noch Probleme mit Rumpelstilzchen!“, meinte Rina. Will schüttelte entschieden den Kopf: „Der Froschkönig ist noch im Teich! Der wird ihr Märchen…“ „Ich kann es echt nicht mehr hören!“, unterbrach ihn Jack. Er packte seinen Zwilling am Oberarm und zog ihn rückwärts aus dem Gebüsch. So leise, wie sie konnten, schlichen die vier davon.

Seit einer knappen halben Stunde warteten sie nun schon auf Rumpelstilzchen. Sie wollten sich am Turm von Rapunzel treffen, sobald das Haar des Teufels in ihrem Besitz war, doch tauchte Rumpelstilzchen einfach nicht auf. Sie hatten nun schon unzählige Male seinen Namen gerufen – nichts!
„Vielleicht hat er zurzeit etwas wichtiges zu tun?“, mutmaßte Jack. Gerade wollte Will etwas darauf antworten, da ertönte eine Stimme hinter ihnen: „Ganz recht, dass hatte er!“ Rumpelstilzchen! Um das zu wissen, mussten sie sich noch nicht mal umsehen! „Geschäftliches Meeting, so nennt man das doch in Eurer Welt, nicht wahr?“, lachte er amüsierten, „Die genauen Inhalte sind streng vertraulich und nicht erwähnenswert! Ihr seid hier, also schließe ich daraus, dass ihr mir das Haar bringt!“ Rina nickte und zog das goldene Haar hervor. Rumpelstilzchen nahm es mit seinen kleinen Fingern entgegen. „Wunderbar! Dann werde ich mich endlich daran machen können, den Teufel herauszufordern!“, mit einem listigen Grinsen, löste er sich in Luft auf.

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