20. Dezember

20. Türchen, Weihnachtskalender

Was tat man nicht alles, um die Schulden bei einem größenwahnsinnigen Kleinwüchsigen zu begleichen? In diesem Fall mussten die vier zurück zum Dorf, aus dem sie gekommen waren, um von dort etwas zu holen. Aber nicht einfach nur irgendetwas, sondern eines der drei goldenen Haare des Teufels.
Richtig gehört! Der Teufel! Rumpelstilzchen wollte sich unbedingt mit ihm anlegen, damit in Zukunft ausnahmslos jeder seinen Namen kannte und ihn (Zitat) „nicht immer wegen seiner Größe auslachte“. Wäre er nicht der böse Fiesling aus einem Märchen, hätte Will vielleicht sogar Mitleid mit ihm gehabt, aber so?

Im Dorf angekommen, mussten sie erst einmal herausfinden, ob die Luft rein war. Womöglich waren sie ja gesehen worden und jetzt suchte jemand nach ihnen?! Aber sie irrten sich gewaltig! Auf dem Marktplatz herrschte noch immer reges Treiben. Leute an Ständen brüllten ihre Angebote über den Platz und überall standen Personen in Reihen hintereinander und begutachteten Wahren.
„Und du bist dir sicher, dass der Typ hier vorbei kommt?“, fragte Jack ungläubig. Sie standen nun wieder am Brunnen. Will nickte energisch: „Er wird kommen! Genau hierher!“ „Die Tatsache scheint dich nicht sonderlich glücklich zu machen“, stellte Franz fest. Der Zwilling nickte schuldbewusst. „Wenn wir ihm eines der Haare abnehmen, heißt das, dass wir sein komplettes Märchen zerstören!“, klagte Will. Sein Bruder stieß ihm einen Ellenbogen in die Rippen: „Du meinst, so wie wir es schon mit unzähligen anderen getan haben?“

Lange mussten die vier nicht warten. Ein schlaksiger, junger Mann mit strohblonden Haaren und unzähligen Sommersprossen auf dem Gesicht ging mit festen Schrittes auf den Brunnen in der Mitte des Marktplatzes zu. „Mein Gefühl sagt mir, dass es der da ist!“, flüsterte Will. Die drei anderen sahen ihn fragend an: „Wie sollen wir ihm das Haar abnehmen?“ „Er wird versuchen, die Kröte aus dem Brunnen zu holen!“, grübelte Will. „Kröte?“, entfuhr es den anderen.
Der intelligentere der beiden Zwillinge dachte scheinbar fieberhaft über eine gute Taktik nach, doch wollte ihm einfach keine einfallen. Schließlich stand der Typ auch schon vor den vieren. Die Zeit war abgelaufen! Für einen Plan war es jetzt wohl zu spät!
Oder eben auch nicht! Auf einmal machte Rina ein paar Schritte auf den Kerl zu. Den Jungs zeigte sie an, dass sie alles im Griff hatte und sie genau da stehen bleiben sollten, wo sie waren. Die Brüder und Franz taten ihr den Gefallen und beobachteten mit einigen Metern Entfernung, wie das Rina den Typen ansprach und der ihr aufgeregt in eine kleine, dunkle Gasse folgte.
Nur kurze Zeit später kam Rina wieder. Eine Hand hatte sie zu einer Faust geballt und an der anderen klebte ein klein wenig Blut. „Was hast du getan?“, kreischte Will völlig außer sich. Rina hob nur die Schultern: „Er wollte mir das verdammte Haar nicht geben!“ „Und dann knockst du ihn einfach aus?“, Jack starrte fasziniert das Blut an ihren Handknochen an, „Ober krass!“ „Habt ihr sie nicht mehr alle? Es wäre schon schlimm genug gewesen, ihm eines dieser verdammten Haare abzunehmen!“, meinte Will verärgert. Rina winkte ab: „Der kommt bald wieder zu sich! Dann hat er vielleicht ein paar Kopfschmerzen, aber das Leben geht weiter!“ „Eben!“, pflichtete Jack ihr bei. Selbst Franz schien dies als notwendige Maßnahme zu betrachten: „Es sind doch eh schon so viele Märchen zerstört, da kommt es auf eins mehr oder weniger auch nicht mehr an!“

„Rumpelstilzchen? Der Rumpelstilzchen?“, der Frosch sah die vier mit seinen großen Klubschaugen an. Jack ballte die Hände zu Fäusten: „Ja, du Schleimbombe und jetzt runter von meiner Schulter! Das ist immer noch mein Lieblingshoodie!“ „Ich glaube, den kannst du vergessen!“, meinte Will nach einem skeptischen Blick, „Ich bezweifle, dass du die Flecken und kleinen Löcher da wieder raus bekommst!“
Moment! Frosch? Hoodie? Was war denn hier passiert? Im Grunde ganz simpel! Der Streit am Brunnen war etwas ausgeartet. Will sah nicht ein, die komplette Märchenwelt zu ruinieren. Er wollte alles wieder in Ordnung bringen, selbst auf die Gefahr hin, ins Visier von Rumpelstilzchen zu geraten und womöglich von ihm angegriffen zu werden! Das wollten die anderen drei jedoch nicht zulassen. Nach einiger Zeit war der Streit eskaliert und es kam zu Handgreiflichkeiten. Will wollte dem bewusstlosen Kerl das Haar zurückgeben, die anderen eben nicht und so war es dazu gekommen, dass das Haar bei der Rangelei in den Brunnen gefallen ist. Plötzlich war ein Frosch aufgetaucht, der anbot, es wieder zu beschaffen. Im Gegenzug forderte er, zum nächsten Teich mitgenommen zu werden und da waren sie nun also!

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